Review: U.N.K.L.E. – War Stories

(06.07.07 / Surrender All)

James Lavelle, UNKLEs Motherboard sozusagen, hat sich mal wieder mit Richard File kurzgeschlossen, um das zu schaffen, was man waghalsigerweise schon bei Erscheinen im Juli 2007 als eines der Werke des Jahres  zu bezeichnen versucht war: War Stories, das dritte Album der gastfreundlichen Trip-Hop-Formation.

Auch nach Endigung des 07-Jahrgangs halte ich – nun fundierter – daran fest: UNKLE ist eines der besten Werke im Genre gelungen, und dies trotz oder gerade wegen einer bemerkenswerten stilistischen Offenheit, die frühere Bastardtendenzen noch übersteigt. Dass Gitarren Einzug in die Elektronik halten, ist bestimmt nichts Neues, ein derart beherzter Griff in die Gefilde des klassischen Rock-Epos, ohne dabei die Eingängigkeit der pumpenden Elektronik preiszugeben, verdient  jedoch Hochachtung. Hier halten die grossen Themen mit testamentarischer Schwere Einzug: Schuld, Vergänglichkeit, Existenz und Vergebung. Hier wird das Pathos der Deep-Purple’schen Rockoper und die Trockenheit des (zuweilen stumpf-stupiden) Stonerrocks souverän eingbastelt, was sicher zum einen dem Einfluss  des Queens-of-the Stone-Age-Produzenten zuzuschreiben ist und zum anderen stimmlich vom klar hervorstechenden Ian Astbury (The Cult) getragen wird.
Astbury hatte in letzter Zeit als Jim-Morrison-Ersatz in der Doors-Rumpfband eher eine blasphemische Rolle gespielt und dümpelte also Beta-Promi durch laue Musikgefilde – mit „Burn My Shadow“ und „When Things Explode“ liefert er hier nun zwei der stimmlich stärksten Nummern.

Zu erwähnen sind auch einige der weiteren Kollaborationen – die dem Ganzen doch ab und zu die Schwere nehmen, um ein Absaufen in allzu triefendem Pathos zu verhindern: Da wäre „Persons & Machinery“ mit den shoegazigen Autolux, die am Portishead-Festival ein sympathisches Konzert gaben und ein bisschen so klingen, als ob John Lennon heute angenehmen Schrumm-Indie machen würde, das stampfende “Mayday” mit den eingängigen Alternative-Rockern Duke Spirit und die locker-flockige, meditative Kooperation mit Massive Attack’s 3D (“Twilight“), der auch für das Artwork verantwortlich zeichnet.

UNKLE bleiben epochal und stilistisch beweglich und ebenso mutig, was sich auch im Vokal-Debüt von Lavelle niederschlägt („Hold my Hand“). Einzig bemängeln möchte man den Versionen-Jungel des War-Stories-Releases, der es nicht einfach macht, in den Besitz aller ersehnter Tracks zu kommen, zumal die eine Limited Edition die eher obsoleten, aber vielleicht doch interessanten Instrumentalversionen enthält, auf einer anderen mit zwei zusätzlichen Tracks mit “Mistress” einer der allerbesten War-Stories-Songs verborgen ist und auf einer weiteren Special Limited Gold Edition noch…. usw usf. Im Ganzen möchte man aber mit den schliessenden Worten des offiziellen Schlusstracks „When Things Explode“ sagen: „All is forgiven“ – wir halten eines der besten OOS-Alben des Jahres in den Händen und damit basta.

Um einen letzten Superlativ anzufügen: UNKLE liefern mit der Bebilderung von “Burn My Shadow” auch gleich einen der besten Videoclips des vergangenen Jahres, der von geschickter Dramaturgie, symbolischer Bildersprache und Ästhetik geprägt ist:
(bf)


Tracks:

  1. Untitled
  2. Chemistry
  3. Hold My Hand
  4. Restless (feat. Josh Homme)
  5. Keys To The Kingdom (feat. Gavin Clark)
  6. Price You Pay
  7. Burn My Shadow (feat. Ian Astbury)
  8. Mayday (feat. Duke Spirit)
  9. Persons & Machinery (feat. Autolux)
  10. Twilight (feat. 3D)
  11. Morning Rage
  12. Lawless
  13. Broken (feat. Gavin Clark)
  14. When Things Explode (feat. Ian Astbury)
  15. (Buying A Lie)
  16. (Mistress)
  17. (Hidden Track)

Rating: ★★★★★★★★★☆


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