Jahrein jahraus fliessen den OOS-Review-Strom zahlreich Alben hinunter – dabei bleibt das eine oder andere liegen, geht vergessen oder strandet irgendwo im Niemandsland. Sprich: Immer mal wieder finden Platten keine Abnehmer, sei es, weil sie zu schlecht, zu verkorkst, zu schwierig, zu unbekannt oder zu genrefremd sind – oder weil alle Reviewer besetzt oder in einer kreativen Schaffenspause sind. Diesen “hässlichen Entleins” ist die Treibgut-Serie gewidmet, beseelt vom Gedanken, bei aller flüchtigen Betrachtung doch noch den einen oder anderen Release zu finden, der das Zeug zum weissen Schwan hat. Und wenn wir nicht glücklich werden damit, hat vielleicht sonst jemand seine Freude daran: Alle hier vorgestellen (Promo)-Releases können von allfälligen Interessenten abgeräumt werden – bei Interesse in den Comments melden.
Wir beginnen mit recht prototypischem Plastik-House aus dem Jahre 2008, der mich schon rein stilistisch nicht ansprechen kann und als Reviewer natürlich ungeeignet erscheinen lässt. Jedenfalls werden hier über das 4/4-Bumm-Bumm sowohl Latin-, als auch Funk- und Wachsstimm-Referenzen gelegt, wie es für einschlägige Lovers-TV-Clips nicht geeigneter sein könnte. Rasmus legt neben eigenem Schaffen auch ein paar Remixe bei. Wer sich den Schweden anhören will: http://www.myspace.com/rasmusfaber
Nick van Gelder – Choose Music
Housig geht’s weiter mit dem scheinbar alteingesessenen, aber anscheinend mehr oder minder unbekannten Nick van Gelder – allerdings hier bereits ein zacken grooviger. Van Gelder reichert seinen Sound mit 70er-Disco-Soul-Referenzen an, die immer gleiche männliche Sulzstimmer nervt allerdings recht schnell. Sicher ideal geeignet für den Soundtrack eines billigen 90ies-Revivals einer 70er-Jahre-Cop-Serie. Eigentlich ein bisschen ansprechender klingen seine (neueren?) Sachen, die er auch MySpace hat: www.myspace.com/nickvangelder
Various Artists – Life Beyond Mars
Der Titel lässt erahnen: Hier versuchen sich verschiedene Künstler an den Vorlagen von David Bowie. Wie bei allen Cover-Alben ist das vor allem interessant, wenn man den Originalinterpreten eingehend kennt, was bei mir jedoch nicht der Fall ist. Unter den vertretenen Musikern erwähnenswert sind vielleicht Susumu Yokota, der mit “Golden Years” allerdings recht silly klingt, dann Carl Craig, der Technoproduzent aus Detroit, und vielleicht – genrefremd: Au Revoir Simone mit einer schönen Version von “Oh! You Pretty Things”. Wer sich über die teilweise durchaus recht interessanten Neuinterpretationen genauer erkundigen möchte, findet Infos und eine Gratis-mp3 auf einer eigenen Website, wer Interesse an der Promo hat, meldet sich bei mir…
Trotz des Titels “Right Time” ist hier für mich persönlich nur sehr wenig stimmig – alles wirkt zusammengewürfelt, gewollt, aber nicht gekonnt. Ein bisschen World Music, ein paar misslungene Elektronikexperimente, Gesang im Fistel-Stil von Airs “Darkel”, einfach atonaler. Eine Ausnahme bildet das einigermassen ansprechende “Dreamer”, ansonsten: Meinen Geschmack trifft’s leider ganz und gar nicht, aber macht euch doch eure eigene Meinung: …ups, keine MySpace-Seite. Naja, ein paar Schnippsel gibt’s hier, dazu auch eine wohlwollende Beschreibung.
Kidda ist nicht wirklich Musiker, sondern eher ein musikalischer Techniker oder Grafiker – oder Fat Boy Slim auf Speed. “Going up” sind nicht Songs, vielmehr handelt es sich um Sample-Schnippsel, gecuttet, gepitchet, ineinandergewurstet und durch den Mixer gedreht. Kidda stopft alles auf Hip-Hop- & Big-Beat-Basis und mit Northern-Soulbezug munter zusammen und kreiert daraus seine wahnsinnige Gameboy-Music, die nicht lange auszuhalten ist (ausser man steht auf Gute-Laune-Geknalle satt), Supermario4000-Vertoner sollen sich aber bitte melden – hier ist euer Soundtrack. Reinhören: http://www.myspace.com/kiddauk
Midfield General – General Disarray
Wir machen weiter mit einem Label- und Genrekollegen von Kidda, dem Skint-Labelchef Damien Harris, genauer gesagt. Hier kracht der Big Beat, dazu gesellen sich zahlreiche Gäste, Leute von Soulwax bis Justice und in “On the Road” als mir bekanntestes Feature Robots in Disguise, die dem Ganzen auch ihre Ladung Electroclash beimischen. Toll beispielsweise auch die very british Spoken Words in “Seed Distribution”. Sicher eines der besseren Alben dieser Treibgut-Serie. Besuchen hier: www.myspace.com/midfieldgeneral
Ursprünglich Deutscher, aufgewachsen aber im Vereinigten Königreich, mittlerweile in Berlin angesiedelt: Den teutonischen Einfluss hört man Hennings Musik deutlich an, könnte sein Techno Berliner Prägung doch ebenso gut unter BPitch-Control-Chefin Ellen Allien erschienen sein. Ist er aber nicht, sondern bei Soma Recordings in Glasgow – gleichwohl klingt er wohldosiert minimal. Vorbeigehen: http://www.myspace.com/djmarkhenning
Operateur Fotokopieur – Atomic Spaceship
Hier gibt’s experimentelle Elektronik aus der Welschschweiz, dass es eine wahre Freude ist. Es fiepst, knirscht, zurrt und murrt. Sehr interessante Arbeit, verspielt, manchmal aber für meinen Geschmack ein klein bisschen zu juxig. Bleibt eigentlich nur eine Frage: Warum meldet ihr das Zeug bei der SUISA an..? Hätte solche Musik nicht viel eher Chancen, über Creative-Commons-Kanäle Verbreitung zu finden? Das wird bestimmt kein öffentliches Radio spielen, dass dann via SUISA Tantiemen zahlt und euch reich macht. Auch auf Last.fm sucht man die Tracks vergeblich – ja Herrgott, das sollte doch unter die Leute! Wenigstens eine Myspace-Seite gibt’s: http://www.myspace.com/operateurfotokopieur
Zum Schluss ein wenig Krautrock. Die Verbindung ist mit einem Titel wie “Everything is Neu” auch phonetisch unmittelbar hergestellt. Man kann es als referenzträchtiges Gebastel sehen, was der Kalifornier Samuel Milton Grawe hier macht, für mich klingt’s aber ehrlich gesagt eher ein wenig nach seichtem Meditations-New-Age, der keinem wehtut, aber anscheinend doch ein paar begeistert. Letztere können sich wie eingangs erwähnt auch bei diesem Release gerne melden und ich schicke ihnen die entsprechende Promo-CD. Absichern: http://www.myspace.com/hatchback76














