Review: Svarte Greiner – Kappe

(16.02.09 / Type Records)

Müsste man Musik mit dem Inhalt eines Farbkastens beschreiben, würde man wohl für Trickys frühe Alben ein sehr dunkles Grau wählen. Um den Unterschied korrekt wiederzugeben, müsste man folglich Stephen O’Malleys Projekte wie Sunn O))) oder KTL mit schwarz in Verbindung bringen. Dies hätte allerdings die unangenehme Konsequenz, dass man für Svarte Greiners „Kappe“ keine passende Farbe mehr zur Verfügung hätte, denn dieses ist noch eine Stufe dunkler als die vorgängig genannte Musik.

Der Start in sein zweites Album misslingt dem Norweger leider gewaltig. Der ironisch mit dem Titel „Tunnel Of Love“ betitelte Track wartetet mit Totenglocken, Geheul wie von einem Nebelhorn, Kettengerassel und anderen Ed-Wood-Geräuscheffekten auf, was es dem Hörer sehr schwer macht, den Track ernst zu nehmen. Gelingt es nach mehreren Hördurchgängen endlich, diese Geräusche zu überhören, kann darunter ein sehr lärmiger, von dunklen Drones dominierter Track von enormer Intensität entdeckt werden. Wie auf einer Fahrt in einer schwarzen Kutsche mit der man sich stetig einem heruntergekommenen Schloss nähert, scheint man sich immer mehr einem unbekannten Bösen zu nähern. Die oben erwähnten B-Movie-Horrorelemente sorgen leider dafür, dass man sich diese Kutschenfahrt in einem Film wie “Van Helsing” vorstellt, also eher Belustigung als wohliges Gruseln aufkommt.

Dass es auch deutlich besser geht und sich Greiner seinen Platz als Support von Fever Ray sicher redlich verdient hat, zeigt sich bei den Tracks zwei bis vier. Diese unterscheiden sich von „Tunnel Of Love“ nicht nur durch das weitgehende Fehlen der oben erwähnten Horroreffekte, sondern auch dadurch, dass diese viel weniger noiselastig daher kommen. „Where I Am“ überzeugt mit einem gemächlichen Aufbau, an Walgesang erinnernden Drones, schnatternden Feedbacks und gelegentlich angedeuteten Windstössen. Welche Instrumente für die entsprechenden Effekte genau verwendet wurden, kann nur erahnt werden. Diesmal verfehlt der Sound die beabsichtigte Wirkung nicht: Der Hörer wähnt sich in einer verlassenen Höllenlandschaft – diesmal inklusive echtem Grauen. Der Titel scheint auch hier ironisch zu sein. „Where Am I?“ gäbe die erzeugte Gefühlslage wohl passender wider.

„Candle Light Dinner Actress“ ist der längste und intensivste Titel. Der gut sechzehn Minuten lange Track, welcher sehr gitarrenlastig daherkommt, erzeugt mit vielen Halleffekten und einigen schon fast schmerzhaft hohen Tönen eine leicht melancholische, aber immer unheimliche Atmosphäre. Im Gegensatz zu den ersten beiden Titeln, die eher von schweisstreibenden Alpträumen zu erzählen scheinen, erinnert Track Nummer 3 an die subtilen Spukgeschichten auf Palacs „Ghosts. „Last Night“ schliesst beinahe nahtlos daran an, diesmal allerdings streicherlastiger.

Mit „Kappe“ liefert Greiner ein sehr dunkles, nicht nur von Alpträumen erzählendes, sondern auch solche erzeugendes Album ab. Das einen dunkelgrauen Schleier abbildende und von Schwarzflächen beherrschte Cover bietet bereits eine recht genaue Zusammenfassung des Inhalts. Auch wenn solche düsteren, dronelastigen Alben wohl sowieso nicht jedermanns Sache sein dürften, dürfte der Einstieg in „Kappe“ zumindest erleichtert werden, wenn anfänglich der erste Track übersprungen wird.
Reihören: http://www.myspace.com/svartegreiner.

(as)


Tracks:

  1. Tunnel Of Love
  2. Where Am I
  3. Candle Light Dinner Actress
  4. Last Light

Rating: ★★★★★★★☆☆☆


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