Review: Ritornell – Golden Solitude

(06.03.09 / Karaoke Kalk)

Beginnen wir wieder einmal ein Review mit einem Vergleich: Wem das Album Secret Rhythms 2 (man lese unser Review hier) von Burnt Friedman & Jaki Liebezeit gefallen hat, der wird wahrscheinlich auch Golden Solitude von Ritornell mögen. Denn diese beiden Alben sind sich sehr ähnlich. Der Österreicher Richard Eigner alias Ritornell hat hier zusammen mit Roman Gerold nach eigenen Angaben ein Album zwischen Avant-Garde und Pop geschaffen. Mit Avant-Garde kann man es sehr wohl bezeichnen, Pop haben wir aber nicht viel gefunden (Tanzmusik schon gar nicht).

Zurück zum Vergleich mit Friedman und Liebezeit. Die Parallelen sind zahlreich: Ruhige, jazzige Klänge, Sax, Kontrabass, schleppende Drums. Hin und wieder finden sich auch Spielereien mit Samples in den Tracks, nie aber wirklich dominant sondern immer dezent im Hintergrund. Die Tragenden Instrumente sind immer Sax, Vibraphon, Rhodes und die Drums. Ab und zu wird mal mit einer Posaune abgerundet (z.B. in “Catch & Kiss“). Was man beim Vergleich mit Secret Rhythms 2 anmerken müsste ist, dass Golden Solitude weniger harmonisch ist und (vor allem später auf dem Album) mehr mit Dissonanzen spielt. Vocals gibts auf dem Album keine, nur im Track “A Fancy Friendship (Richard’s Rework)” wurden einige kurze, abgeschnittene “Uhhh”s einer Frauenstimme eingebaut.

Erwähnenswert sind die Tracks “Golden Solitude” Part I und II, beide in sehr langsamen Tempo mit Saxophon und Vibraphon, eine schöne Einstimmung auf das Album. Später dann “Catch & Kiss“, teilweise beinahe ohne Beat, also fast nur eine Stimmung. Das oben schon erwähnte “A Fancy Friendship (Richard’s Rework)” mit den Bläsern und den Stimmen und “Nina“, welches eigentlich nur aus vereinzelten Tönen besteht, zählen zu den Höhepunkten des Albums. Höhepunkt meint hier aber eher der entgegengesetzte Sinn, nämlich die grösste Entspanntheit.

Die Platte ist eigentlich im Gesamten sehr entspannt und passt mit ihrer instrumentalen Leichtigkeit zum Sommer, zum Beispiel an einem Sonntag Nachmittag hinter dem Haus im Grünen, mit Liegestuhl, Sonnenschirm und einem guten Buch (und vielleicht einem Nickerchen). Der zweitletzte Track, “Concrete Leaves“, steht vielleicht als einziger ein wenig schräg zu diesem Bild, besteht er eigentlich nur aus zwei oder drei Bläsern (schwierig zu sagen, wie viele das sind), die wieder jene dissonanten Töne spielen. Vielleicht eine Mücke im oben genannten Sonntag-Nachmittag-Bild.

Viel Neues gibt es auf dem Album zwar nicht. Auch an die verglichene Secret Rhythms 2 von Friedman & Liebezeit kommt es nicht ganz heran, auch wenn es stilmässig sehr ähnlich ist. Dennoch – ein schönes Album.

(grid)

Reinhören: http://www.myspace.com/ritornell


Tracks:

  1. Golden Solitude Pt. 1
  2. Golden Solitude Pt. 2
  3. Emere
  4. Catch & Kiss
  5. Fancy Friendship, A (Richard’s Rework)
  6. Disappearing City
  7. Naked
  8. Nina
  9. Interludium
  10. Concrete Leaves
  11. Golden Solitude (Dimlite’s Superloner Remix)

Rating: ★★★★★★☆☆☆☆


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