Review: Archive – Controlling Crowds

(27.03.09 / Warner)

Controlling Crowds ist, abhängig davon, was man alles zählt, das sechste, siebte, achte, neunte oder zehnte Album von Archive. Aussagen, dass es sich hierbei um die stärkste Platte der Briten handelt, würde ich zwar widersprechen – dazu ist You All Look The Same To Me schlicht zu gut – eine der besseren ist sie aber sicherlich.

Irgendwo habe ich im Zusammenhang mit Controlling Crowds einen Satz der Art “nur weil man 80 Minuten auf eine CD bringt, muss man dies noch lange nicht tun” gelesen. Dieser Meinung kann ich mich ebenfalls nicht anschliessen. Obwohl die Songs oft recht lange sind, habe ich höchstens bei “Collapse/Collide” teilweise das Gefühl, dass hier weniger mehr gewesen wäre. Ansonsten scheint mir die Tracklänge jeweils den Songs angemessen zu sein bzw. es sind genug Ideen vorhanden, um die Zeit abwechslungsreich zu füllen.

Es fällt auf, dass sich Archive wieder ein bisschen von Steigerungssongs à la “Again” losgesagt haben und wieder zu Tracks mit vielen sich ergänzenden Melodiefetzten, wie sie auf “Take My Head” zu finden waren, zurückgewechselt sind. Zudem sind die Genres Trip Hop (dumpfe, schleppende Beats) und Hip-Hop (Raps, scratchartige Geräusche) wieder stärker vertreten, und auch Industrialelemente wie auf dem Michel-Vaillant-Soundtrack sind wieder vorhanden. Das Album scheint das bisherige Schaffen der Briten zusammenzufassen und die Stile aller bisheriger Alben zu vereinen – mit dem nicht zu vernachlässigenden Nachteil, dass dem Kenner das eine oder andere bekannt vorkommt. Gewisse Samples wurden frech ein zweites Mal verwendet.

Die Raps von Rosco John, dem Rapper des Debüts Londinium, welcher nach gut zehn Jahren wieder zu Archive zurückgekehrt ist, empfinde ich als weniger störend als auf dem Erstling. Nur bei dem mit Synthesizerflächen zwischen Boards Of Canada und Moby versehenen “Quiet Time” hätte man auf die Raps wirklich verzichten können. Wichtiger aber: Die Ideen, die John ins Projekt hineingebracht hat, scheinen neue Songideen in Richtung Hip Hop mit sich gebracht zu haben und so die Gefahr, dass das Kollektiv immer wieder You All Look The Same To Me aufzunehmen versucht, reduziert zu haben.

Trotzdem finde ich aber die Songs, welche Pollard Berrier singt und mitgeschrieben hat, eindeutig am stärksten. Während ich die Zusammenarbeit auf Lights eher als Sackgasse empfand, scheinen Berrier und die beiden Archive-Urgesteine Danny Griffiths und Darius Keeler nun deutlich besser zu harmonieren. Vielleicht liegen Berrier aber auch düstere Titel, wovon es auf “Controlling Crowds” einige hat, schlicht besser.

Kurz: Ein empfehlenswertes Album.

Anspieltipps:
Controlling Crowds
Bullets
Dangervisit
Clones
Bastardised Ink
Kings Of Speed

(as, basierend auf einem Foren-Beitrag)


Tracks:

  1. Controlling Crowds
  2. Bullets (Album Version)
  3. Words On Signs
  4. Dangervisit
  5. Quiet Time
  6. Collapse / Collide
  7. Clones
  8. Bastardised Ink
  9. Kings Of Speed
  10. Whore
  11. Chaos
  12. Razed To The Ground
  13. Funeral

Rating: ★★★★★★★★★☆


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