Review: Tosca – No Hassle

(20.04.09 / G-Stone (!K7))

Ruhig und langsam beginnt es. Immer dieselben elektronischen Tönchen, Perkussion kommt dazu, Schlagzeug folgt. Wie wenn plötzlich eine ganze Stadt Schritt für Schritt zum Leben erweckt wird. Bass kommt dazu, und zwei Stimmen. Das Ganze ist recht monoton, und es passiert immer dasselbe. Die Stadt ist aufgewacht, und jetzt geht’s weiter, im Alltag. Man hört gemütlichen Chill-out, liegt in der Hängematte und entspannt sich. Kruder & Dorfmeister kommen mir in den Sinn (die Hälfte von Tosca ist auch die Hälfte von K&D, nähmlich Dorfmeister), aber auch Thievery Corporation, wegen der Trommel.

Elitsa” beginnt mit Gitarre, und wieder hab ich das Gefühl, vom Erwachen. Erwachen an einem warmen Sommermorgen in einer Grossstadt. (vielleicht bringen mich auch die Wolkenkratzer auf dem Cover auf die Grossstadtidee). Sphärische Melodien und irgendein Summen von Menschen. Eine Stimme erzählt sachlich eine Geschichte. Und dann kommen eine Art “Engelstimmen” dazu.

Das meint ::exit.music::

Leicht schläfrig und träge, fast ohne Ecken und Kanten, plätschert das geschickt aufgebaute “No Hassle“ eine schöne Stunde vor sich hin. Einzelne Eindrücke bleiben kaum haften, Hits wie “Ocean Beat“ oder “Boss on the Boat“ aus den gloriosen Suzuki-Zeiten gibt es hier logischerweise auch keine. Aber, und das zählt: ein guter Gesamteindruck bleibt auch hier auf alle Fälle. Ambient/Lounge-Freunden legen die beiden Österreicher hier ein weiteres gelungenes Sommer-Album vor.

Ganzes Review bei ::exit.music::.

Es ist Musik, die dich einlullt, einschläfert. Langsam hört man gar nicht mehr hin, weil es immer dasselbe ist, und so lässt man sich berieseln. Aber ich denke, das ist ja auch der Sinn von Chill-out.
Bei “Springer” wird es dann schneller. Der Titel passt perfekt zur Musik: Ich sehe vor mir einen Jogger oder Tänzer, der rennt oder tanzt. Oder ich sitze im Auto und die sommerliche Landschaft zischt an mir vorbei. Vielleicht fahre ich auch in die Ferien, es macht nämlich Ferienstimmung, dieses Lied. Auch hier gibt es wieder einwenig Gitarre und es klingt leicht asiatisch. Das ist mein Lieblingslied.

Birthday” könnte man als leichter Blues oder Downtempo beschreiben. Es ist dazu da, deinen Herzschlag langsamer zu machen. Eine Frauenstimme kommt dazu, und es fällt mir auf, dass die Stimmen auf dieser Platte alle recht kalt, sachlich und emotionslos sprechen (es ist eher ein sprechen, als ein singen).
Oysters In May” ist wieder ähnlich wie der “Springer“. Es fühlt sich an, nach einem Triebwerk, einem Rad, das ständig läuft und läuft. Es ist ständig in Bewegung, und rennt.

Ich merke, dass es recht schwierig ist, über Chill-out zu schreiben. Mann muss sich recht konzentrieren, dass man nicht selber abschweift, weil es so einschläfernd ist. Es ist nicht Musik, der man wirklich gebannt zuhören kann, sondern geeignet als Hintergrundmusik an einer Gartenparty oder so. Was mir gefällt an “No Hassle” ist, dass es so eine mitreissende Bewegung drin hat. Immer wieder dieses sich drehende Rad, wie wenn man im Zug sitzen würde, und in die Ferien fahren würde. Sie nimmt mich mit, in die Ferien.
Die Musik ist einfach zu beschreiben: Gitarre, gemischt mit einem leichten Beat, ab und zu schnelles Tempo, Chill-out und eine monotone Stimme. Wie ein Tuch, das dich sanft einwickelt, und dich in den Schlaf wiegt. Etwas zwischen Droge, schlafen und in die Ferien fahren. Was mir nicht gefällt sind die Trommeln, die viel vorkommen. Das erinnert mich zu fest an ein Indianercamp oder einen esoterischen Drogentrip. Aber keine Frage, diese Platte ist perfekt, um auf Reisen zu gehen im Sommer. Es könnte auch Musik sein für eine “Café Del Mar“-CD.

Produziert wurde diese Scheibe von Richard Dorfmeister und Rupert Huber. Die zusätzlichen Stimmen sind von Julie Mccarthy und Vera Böhnisch.

No Hassle” ist leichter, tröpfelnder, berieselnder Chill-out, der dich einlullt und schläfrig macht. Mir ist die Musik zu langweilig, es passiert fast überhaupt nichts. “Suzuki” und “Dehli 9” sind viel spannendere und fantasievollere Tosca-Alben, gemischt mit Jazz und Beat. Aber eines muss man der CD lassen: Man spürt deutlich Frühlings- und Sommerluft, und freut sich auf lange Sommerabende.

(meret)

Tosca auf MySpace: myspace.com/toscak7


Tracks:

  1. My First
  2. Elitsa
  3. Spinger
  4. Birthday
  5. Oysters In May
  6. Joe Si Ha
  7. Electra Bregenz
  8. Fondue
  9. Rosa
  10. Raymondo
  11. Mrs. Bongo
  12. No Hassle

Rating: ★★★★★★☆☆☆☆


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