Review: Damian Lazarus – Smoke The Monster Out

(04.05.09 / Get Physical Music)

Die ersten Klänge beginnen leise, mit Geige, besäuselnd, und doch noch so etwas wie eine Alarmglocke im Hintergrund und dann setzt der Minimalbeat ein. Ein ganzer Klangteppich, der versucht, dich einzuwickeln in eine geheimnisvolle Welt. Und der Beat, der bleibt.

Moment” ist dann ganz anders. Schönes, nettes, ruhiges Klavier. Ein ziemlicher Stilbruch. Eine Männerstimme singt. Sie hört sich traurig an und erinnert mich sehr an U2. Es könnte aber auch Filmmusik sein. Wow. Völlig unerwartet kommt plötzlich ein Technobeat dazu und eine weibliche Stimme, die mich an die Berner Band Morphologue erinnert. Das ruhige Klavierstück wird plötzlich zum Trip Hop. Die Tonkombinationen sind super schön. Und die feinen, herzigen Tönchen im Hintergrund verschwinden nicht. Auch Björk kommt mir in den Sinn. Ungewöhnliche Töne singt sie. Und dann taucht plötzlich die “U2-Stimme” wieder auf, und endet dann in einem Hauch von Drum’ n’ Bass.
Toll! Fantasievolle und eigenständige Musik. Etwas, das man kaum zuvor gehört hat. Es ist Tanzmusik, aber nicht nur, und das gefällt mir. Jedes Lied ist wieder total anders.

Bei “Memory Box” gibt’s eine Stimme, die von Rammstein kommen könnte. Monotone Computermusik, eine Computerstimme und ein Beat, der bleibt.

Come and Play” ist schön. Trip Hop, gemischt mit Minimal. Damian traut sich endlich, in der grossen Welt der Elektronik zu experimentieren. Plötzlich zwei Frauenstimmen, singen seltsam schräg. Die Töne beissen sich fast. Hier kommt mir Medulla von Björk in den Sinn. Schön, melancholisch und tanzbar. Wow. Was willst du noch mehr?

Smoke The Monster Out” ist eine so facettenreiche Platte, dass man sie wahrscheinlich immer wieder hören kann. Ein humorvoller und spielerischer Typ, dieser Lazarus.

Oft kommen mir beim Hören Regentage in den Sinn. Und wieder erinnert es mich an U2, oder konkreter an den Soundtrack von “Million Dollar Hotel“. Ja, Soundtrack ist ein gutes Stichwort. Es passt zu vielen seiner Songs.
Und plötzlich wird alles anders, mitten im Lied. Vielleicht macht Damian sich das fast schon zur Regel, dass ein Lied nie so aufhören darf, wie es begonnen hat? Man soll die Ohren spitzen, und immer schön dabei sein und soll auf jedes Detail achten. Damian möchte nicht einfach Musik machen, sondern eine Geschichte erzählen. Oder vielleicht auf verschiedene Arten ein Monster vertreiben, das Monster mit seltsamen Klängen ausräuchern? Bis zum Schluss gibt es noch ganz verschiedene Kombinationen: Monotone Popmusik gemischt mit Balkanrhythmen und Chorgesängen. Kirchenmusik gefolgt von hartem Minimalbeat. Immer wieder diese luftig weichen Elektrotönchen dazwischen.
Spinnin” zeigt, dass Damian auch gerne klassische Musik hat. Cello und Frauenstimme. Schön und traurig. Oder dann gibt’s in “Bloop Bleep“, zuerst tollpatschiger Kindertechno, erst gemütlich und lustig, und dann gibt’s mitten im Stück eine Wendung, und es wird so schön, dass du Hühnerhaut bekommst. Krass, diese Stilwendungen! Man muss auf alles gefasst sein.

Lazarus ist wirklich ein Künstler. Ein hervorragender Musiker. Es sprüht und lebt richtig, seine Musik. Voller Emotionen, und doch bleibt es Elektro. Er ist der König der plötzlichen Stilbrüche innerhalb eines Liedes. Er hat Freude am Experimentieren, und wird diese Freude nie verlieren. Ausserdem scheut er vor nichts zurück. Sein Motto könnte sein: Es gibt noch so viel Musik, die es noch nicht gibt! Jedes seiner Lieder steckt voller Überraschungen. Etwas zwischen Minimaltechno, Soundtrack, Gitarrenmusik, Klavier und Trip Hop. Und vorallem einfach schön.

(meret)

Reinhören bei MySpace: myspace.com/damianlazarus


Tracks:

  1. Smoke The Monster Out
  2. Moment
  3. Memory Box
  4. King Of Fools
  5. Come And Play
  6. Diamond In The Dark
  7. Cold Lizards
  8. Neverending
  9. Lullabies
  10. Spinnin’
  11. Bloop Bleep
  12. It’s Raining Today
  13. After Rave Delight

Rating: ★★★★★★★★★☆


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