Review: Massive Attack – Heligoland

(08.02.10 / EMI)

Zwei erste Eindrücke von Heligoland nach dem ersten Durchhören:


Zugegeben: Ein Album, auf das man lange gewartet hat, soll nicht nur nach dem ersten Eindruck beurteilt werden – aber auch. Dass die Ansprüche an ein Album proportional zur Wartezeit steigen, liegt auf der Hand – dass sie dennoch erfüllt werden können, haben Portishead eindrücklich bewiesen (Third), aber das war’s auch schon mit den Parallelen. Massive Attacks jüngstes Werk, lange unter dem Arbeitstitel “The Weather Underground” und dem neu geschaffenen Genre “Gothic Soul” gehandelt, trifft nun letztlich auch noch in den Regalen ein, jedoch gänzlich ohne Neuerfindung, Verjüngung oder Erweiterung des bisherigen Schaffens. Das ist bei einem soliden Wert wie Massive Attack so billig wie recht, mag man denken, und das Resultat ist auch durchaus gefällig, ich habe jedoch ein klein wenig mehr erwartet – oder liegts an der nicht gerade berauschenden Streaming-Qualität, die für den Post-download-Rezensenten heutzutage reichen muss? Eine befriedigte Erwartung ist allerdings die Hoffnung, die Kooperation mit Mazzy-Star-Stimme Hope Sandoval möge gelungen sein: “Paradise Circus” ist ein schöner Track mit einem guten, wenn auch nicht genialen Schlussteil…. – bezeichnend für den gesamten ersten Eindruck: gut, aber mit wenn und aber.

(bf)


Wer sich im letzten Oktober mit Massive Attacks EP “Splitting the Atom” einen kleinen Vorgeschmack auf Heligoland gegönnt hat, der kennt zumindest den Eröffnungssong “Pray For Rain“. Zu diesem muss an dieser Stelle somit auch nicht mehr viel gesagt werden, ausser dass mit ihm, wie meist bei Massive Attack, das Album in einer ruhigen Art und Weise eröffnet wird (mit Hilfe vom Gastsänger Tunde Adebimpe von TV on the Radio) . Der erste der beiden Songs mit Martina Topley-Bird, “Babel” stellt sich als sehr bewegt und nervös heraus, mit Breakbeat-Drums und vereinzelten elektrischen Gitarren. Und im Vergleich zum trägen und düster blubbernden “Psyche (Flash Treatment)“, dem Remix, welcher auf der Splitting-EP zu finden ist, sind beim Original-”Psyche” des Albums eher hektische Gitarrenloop dominierend. Die Frage stellt sich hier, ob dieser Song trotz seiner Einfachheit fasziniert weil er gut ist, oder weil er Live (in Winterthur) relativ gut funktioniert hatte.

Das meint ::exit.music::

“Nur bei den wenigsten dieser zehn Stücke haben Massive Attack alles richtig gemacht, dabei hat jeder Song seine reizvollen Momente und Ideen mit Potential. Nach einer siebenjährigen Wartezeit mit begeisternden Konzerten und Gerüchten, die Namen wie Tom Waits, Tricky, David Bowie, Mike Patton und viele viele andere ins Spiel brachten, dürfte “Heligoland“ aus der Perspektive eines Fans ziemlich ernüchternd sein.”

Ganzes Review bei ::exit.music::.

Dennoch, “Splitting The Atom” war Live relativ flach und – was schon bei der EP klar wurde – auch ab Album ein wenig seicht, um nicht zu sagen billig. Es sind einfach diese Bumm-Clap-Bumm-Clap-Rhythmen, die jede Spannung in den Boden stampfen. Doch weiter zu den neuen, bisher unbekannten Songs – “Girl I Love You” bietet mit Horace Andys Gesang und einem tiefen, wummernden Basslauf einiges an Mezzanine-Feeling. Einziges Novum hier: Der Einsatz von bläserartigen Synthies, welche für noch mehr Druck sorgen. Die Beschreibung von “Girl I Love You” als eine schnellere Version von “Angel” trifft es wohl nicht so schlecht.

Guy Garvey von Elbow übernimmt dann den Gesang beim “björk-esken” “Flat of the Blade“, welches eher chaotisch und ein wenig planlos eröffnet wird. Erst nach einiger Laufzeit wird die Stimmung mehr und mehr kanalisiert, auch hier wieder mit Hilfe von Bläsern (was sicher viel zum Björk-Vergleich beiträgt). Am meisten erwartet worden ist wohl das Stück mit Hope Sandoval als Gastsängerin, “Paradise Circus“. Der Song ist schön anzuhören und wirklich einer der Höhepunkte des Albums — aber er könnte von irgendeiner Band gespielt worden sein. Jener besondere Massive Attack-Sound fehlt hier weitgehend; es könnte auch – sagen wir Bat For Lashes sein.

Nicht so “Rush Minute“: Jener könnte auch von Mezzanine oder 100th Window stammen. Doch dann wieder “Saturday Come Slow“: Nicht dass die Musik nicht gefallen würde, aber hier klingt die Musik eher nach Beck als nach Massive Attack, was sicher auch damit zu tun hat, das Damon Albarn Gastsänger ist. Die Anfangs geraden und monotonen Drums des Abschlusstracks “Atlas Air” lassen zuerst ein zweites “Splitting the Atom” befürchten, werden aber später im Song gebrochen und abwechslungsreicher. Dennoch kann auch das Ende des Albums nicht gänzlich überzeugen.

Mit dem ersten Durchhören hat sich nach der langen Wartezeit und den etlichen Terminverschiebung für das neue Album ein wenig Ernüchterung gezeigt – ein Gefühl, welches sich schon nach dem Konzert im November ’09 ganz fein angebahnt hatte. Vielleicht war es zu viel der Hoffnung, 2010 nochmal ein Album wie 100th Window (2003) oder gar Mezzanine (1998) zu Erwarten. Jene geheimnisvollen, stimmungsgeladenen, düsteren Stimmungen, wie z.B. bei “Inertia Creeps“, “Group Four” oder “Everywhen“, werden hier nur ansatzweise weitergeführt, z.B. bei “Pray For Rain” oder “Girl I Love You“. Vielleicht müssen wir uns aber auch nur an Heligoland gewöhnen.

Wieso das Album nach der deutschen Insel Helgoland (englisch: Heligoland) benannt ist, wurde bisher übrigens nicht erklärt. EMI hat jedoch eine Google-Maps Overlay von Helgoland mit einigen kleinen Goodies erstellt, welches man hier finden kann.

(grid)


Tracks:

  1. Pray for Rain (vocals: Tunde Adebimpe)
  2. Babel (vocals: Martina Topley-Bird)
  3. Splitting the Atom (vocals: Grant Marshall, Horace Andy and Robert Del Naja)
  4. Girl I Love You (vocals: Horace Andy)
  5. Psyche (vocals: Martina Topley-Bird)
  6. Flat of the Blade (vocals: Guy Garvey)
  7. Paradise Circus (vocals: Hope Sandoval)
  8. Rush Minute (vocals: Robert Del Naja)
  9. Saturday Come Slow (vocals: Damon Albarn)
  10. Atlas Air (vocals: Robert Del Naja)

Rating: ★★★★★★☆☆☆☆

FacebookTwitterTumblrShare/Save

Leave a Reply

*

Loudspeaker Igloo “Squeeeque" at the Shift FestivalLoudspeaker Igloo “Squeeeque" at the Shift FestivalWalls of Soap at the Shift FestivalLoudspeaker Igloo “Squeeeque" at the Shift FestivalConcert of Buvette at the Shift FestivalConcert of Nite Jewel at the Shift FestivalConcert of Nite Jewel at the Shift FestivalConcert of Gazelle Twin at the Shift FestivalConcert of Gazelle Twin at the Shift FestivalContainer and LoudspeakersProjection Art Installation at the Shift FestivalProjection Art Installation at the Shift Festival
WordPress SEO fine-tune by Meta SEO Pack from Poradnik Webmastera