Bad Bonn Kilbi 2010: Ein kleiner Rückblick

Heute Morgen ging in Düdingen die schönste Kilbi des Landes zu Ende. Arbeitsbedingt verpasste ich leider den einen oder anderen potentiell interessanten Act der zwanzigsten Bad Bonn Kilbi, wobei ich vor allem das Fernbleiben beim Auftritt von Richard D. James bedaure – obwohl hier die Einschätzungen sehr weit auseinandergehen und ich von „enttäuschend“ bis „überragend“ das ganze Spektrum an Attributen zu hören bekam. Auch beim verpassten Auftritt von Hot Chip und bei einigen anderen Konzerten waren die Meinungen sehr uneinheitlich, was, so denke ich, unter anderem der oft unterdurchschnittlichen Abmischung auf der Zeltbühne zuzuschreiben ist, etwas, was nicht alle Musikkonsumenten gleich stört und auch bis zu einem gewissen Grad ortsabhängig ist.

Meine unbestrittenen Highlights waren die beiden Krautrockauftritte von Neu! und Beak>. Da Klaus Dinger leider vor zwei Jahren verstarb, wurde Michael Rother, das nun letzte lebende Neu!-Mitglied, bei seiner Darbietung von Neu!-Klassikern vom Sonic-Youth-Drummer Steve Shelley und von Aaron Mullan (Tall Firs) begleitet. Die hochkarätigen Musiker, die sehr eingespielt wirkten, und insbesondere Shelley, der die repetitiven Dinger-Beats gekonnt umsetzte, sorgten für ein sehr sauberes Klangbild, sodass all die kleinen Veränderungen und die gekonnten Steigerungen der doch schon über dreissigjährigen Originale ihre Wirkung optimal entfalten konnten. Als jemand, der Neu! bisher nur ab Platte kannte, begriff ich hier erstmals wirklich, dass es sich hierbei eigentlich um Live-Musik handelte, die vieles von Minimal bis Drum’n'Bass vorwegnahm.

Mit dem Projekt Beak> vertieft Portisheads Geoff Barrow zusammen mit Matt Williams und Billy Fulle die Krautrockelemente, die bereits auf „Third“ und dem von ihm produzierten Album der Horrors angedeutet wurden. Obwohl Neu! sicher eine wichtige Inspiration sind, zeigten sich im direkten Vergleich doch gewisse Unterschiede. So wirken die Titel von Beak> deutlich skizzenhafter und chaotischer, was durchaus einen rauen Reiz ausübte. Live wurde gegenüber dem Album der oft eher gemurmelte, wie aus der Ferne erklingende Gesang mehr ins Zentrum gestellt, was sicher keine schlechte Entscheidung war. Die ab CD manchmal ein bisschen gar kopflastige Musik wirkte im Konzert erstaunlich tanzbar und durchaus zugänglich. Der Abschluss mit einer Motorik-Version des „Hair“-Titels „Let The Sunshine In“ empfand ich auch als sehr gelungen.

Neben diesen beiden Höhepunkten gefielen mir auch der energiegeladene Auftritt der Noise-Rocker von HEALTH, auch hier war die Perkussion das eigentlich dominierende Element, der leider nur dreissigminütige experimentelle Auftritt vom Sonic-Youth-Gitarristen Lee Ranaldo und die Zusammenarbeit von Koch-Schütz-Studer und den Young Gods sehr. Da ich die letzten Young-Gods-Alben nie als durchgehend gelungen empfand, würde es mich freuen, wenn man beim nächsten Album die kreative Energie dieses Zusammenspiels spüren könnte.

Trotz arbeitsbedingter Müdigkeit, einem oft viel zu vollen und somit zu heissen Haus und einiger Abmischprobleme, war die Kilbi wieder einmal ein gelungener Start in den Festival-Sommer.

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