DJ Q-Bert, Philp Jeck, Strotter Inst. & Flo Kaufmann, Everestrecords
@ Shiftfestival Basel 25.10.2008
Da der Auftritt des Genfers Frédéric Post abgesagt werden musste, wurde der Konzertreigen von Strotter Inst. und Flo Kaufmann gestartet. Sich der modernsten Technik verweigernd, benutzten die beiden unter anderem Bierdosen, welche mit Rillen versehen und auf einem Plattenspieler abgespielt wurden, zum Musikmachen. Ob die Marke Feldschlösschen verwendet wurde, weil deren Dosen besonders gut zum Erzeugen von Klängen geeignet sind oder ob dies schlicht den Vorlieben der beiden Künstlern entspricht, entzieht sich leider dem Wissen von out-of-space.ch. Doch nicht nur mit Bierdosen wurde gearbeitet. Daneben wurden auch Platten, welche angeschnitten oder allerlei Basteleien verziert waren, abgespielt und auch ein umgebauter Koffer voller Kabel kam zum Einsatz. Dies ergab eine Musik, die trotz der verwendeten Instrumente kaum Anklang in einem Bierzelt finden würde. Es dominierten Abfolgen von meist recht ausgeklügelten Rhythmen. Die eingesetzten Töne liessen teilweise die Halle buchstäblich erzittern und sorgten dafür, dass sich auf den Toiletten das WC-Papier selbstständig abrollte. Live beeindruckte die Performance der beiden Schweizer sehr, ob allerdings die Musik auch ab CD eine solche Faszination zu entfachen vermag, mag bezweifelt werden. Es führt also kein Weg daran vorbei, Strotter Inst. und / oder Flo Kaufmann einmal live sehen zu gehen. Das darf durchaus als Befehl verstanden werden.
Strotter Inst.: http://www.strotter.org
Flo Kaufmann: http://www.floka.com
Als nächstes stand der Auftritt des Briten Philip Jeck auf dem Programm. Mit alten Kofferplattenspielern gelang es dem Turntable-Pionier ein intensives Musikerlebnis zu erzeugen, wobei die Musik durch das ständig vorhandene Rauschen geisterhaft und entrückt wirkte. Nicht nur dem stets konzentriert wirkenden Gesichtsausdruck von Jeck merkte man an, dass er sich ganz der Musik verschrieben hat. Auch die Auswahl der Platten zeugte von seiner Liebe für obskure Veröffentlichungen. Teilweise entfaltete die Musik eine solche Schönheit, dass der Hörer (oder zumindest ich) beinahe zu Tränen gerührt wurde. Allerdings gab es, vor allem zu Beginn der Darbietung, auch gewisse Passagen, welche nur wenig Höhepunkte aufwiesen und daher eher langweilig wirkten. Trotzdem: Teilweise war es etwas vom Besten, was ich je gehört habe.
Philip Jeck: http://www.philipjeck.com

Nach einem Auftritt der Goldfinger Brothers aus Basel betrat mit etwas Verspätung DJ Q-Bert die Bühne. Der DJ Q-Bert, der als Mitbegründer der Turntablism gilt! Der DJ Q-Bert, der mehrmals die DMC-Meisterschaften gewann! Der DJ Q-Bert, der mehrere Scratch-Stile überhaupt erst erfand! Der DJ Q-Bert der auch die Scratches für das legendäre Kool-Keith-Projekt Dr. Octagon lieferte! Ist es schon bemerkenswert, wenn ein alter Rockstar nach vielen Jahren noch auf der Bühne herumhüpft, so war die Geschwindigkeit, mit welcher dieser Altmeister des Turntabelism seine Scratches vollführte, nur noch unglaublich. Zuerst immer nur mit einer Platte arbeitend, steigerte er die Schwierigkeit zusehends und bewegte schlussendlich seine Hände zwischen den beiden Platten so schnell hin und her, dass man sich an den DC-Superhelden Flash erinnert fühlte. Two turntables and a microphone? Wenn Q-Bert auf der Bühne steht, braucht es wirklich nicht mehr.
DJ Q-Bert: http://www.djqbert.com
Bild: Live @ Hive,Tulsa. Aufgenommen von Middle Gray Studios @ flickr.

Nichts mit Turntablism hatten die Kopfhörerkonzerte des Berner Labels Everestrecords, welches einige der interessantesten Schweizer Künstler der elektronischen Musik veröffentlicht, zu tun. Leider konnte ich nur die Darbietung von Les Poissons Autistes mitverfolgen, welche mit wunderbar ruhiger Musik zu verzaubern wussten. Zusammen mit den in Decken eingehüllten Zuhörern, welche mit drahtlosen Kopfhörern auf Holzkisten sitzend das Konzert verfolgten, entstand eine aussergewöhnliche Atmosphäre. Die Musik gefiel offensichtlich auch anderen, gab es doch immer ein bisschen zu wenig Kopfhörer. Es lohnt sich auf jeden Fall die Entwicklung von Everestrecords weiter zu verfolgen.
Everestrecords: http://www.everestrecords.ch
Les Poissons Autistes: http://www.myspace.com/lespoissonsautistes
(as)




