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Review: Air

 Love 2

(06.10.09 / EMI)

Air kehren zu den paradiesischen Sounds ihres Debüts zurück.  Das lässt frohlocken, aber nicht nur.

Moon Safari“ kam vor bald zwölf Jahren gerade zum rechten Zeitpunkt und bescherte den zwei Musikern aus Versailles bei Paris viel Ruhm, wurde ihnen aber auch zum vermeintlichen Verhängnis, musste jedes der darauf folgenden Alben dem Vergleich mit dem unübertrefflichen Erstling standhalten. Die beiden Franzosen scherte dies indes wenig, sie gingen eingeschlagene Wege weiter oder folgten neuen Pfaden, mal erfolgreich, mal weniger. Ihr sechstes Album nun ist eigentlich nicht viel mehr als eine Ansammlung von Selbstreferenzen, die Sounds ihres ersten Longplayers kommen dabei besonders oft zum Vorschein.

Womöglich ist dieses neue Album für Air so was wie eine persönliche “Best Of“, denn jedes der zwölf neuen Stücke hätte auch auf einem der vorangegangenen Alben Platz finden können. Das Duo hat die alten Synthesizer und Fuzzboxes im eigenen neuen Studio wieder hervorgekramt und Jean Benoit-Dunckel wagte sich öfters als zuvor selbst ans Mikro, Gaststimmen erklingen nur noch selten – spielt bei dem Vocoder-Einsatz aber auch nicht eine besondere Rolle. Die Stimmen geben trashige Worte in Englisch mit übertriebenem französischen Akzent von sich, hinter deren naiver Romantik sich (hoffentlich!) feine Ironie versteckt.

Die zwölf neuen Stücke sind sorgfältig aufgebaut und mit zahlreichen originellen und weniger originellen Einfällen gespickt. “Do the Joy“, “Be a Bee“ und “Eat My Beat“ sind Tracks, bei denen 60er-Agentenfilme-Soundtracks unüberhörbar Pate standen, Surf-Rock-Gitarren, treibende Live-Drums und mitreissende Synthies sorgen für ein turbulentes Aufeinanderprallen von Hitzewallungen und. Allgemein ist ziemlich vielen Momenten auf “Love 2“ eine filmmusikhafte Charakteristik eigen, wer die Kitsch-Überdosis mit Flöten und sentimentalen Keyboard-Streichern in “Tropical Disease“ etwa überlebt, erkennt die melodische Grösse der Komposition, hinter der auch Ennio Morricone stecken könnte. Die zweite Hälfte des gut sieben Minuten langen Stücks ist ein Chillout-Meisterwerk, das mit psychedelischem Gitarrengeheul zum Höhepunkt des Albums aufläuft. Die meisten der Stücke sind relativ kurz geraten, wirken etwas skizzenhaft. “So Light Is Her Footfall“ mit seinem Gainsbourg-Flair steht die Kürze gut, der einsilbigen Liebeserklärung “Love“ hingegen hätten einige Ideen und eine Minute mehr auch nicht geschadet.

Streckenweise ist “Love 2“ so gut wie das Debüt, nur finden sich hier leider auch einige ziemliche Langweiler ein, die nur mit ähnlichen Klangfarben, aber nicht mit ähnlicher Klasse punkten und sich selbst in einem Meer aus Schmalz versenken.

Und, apropos Klasse und Selbstreferenzen: Eigentlich, ja eigentlich, ist Airs wirkliches Meisterwerk ihre erste EP “Premiers Symptomes“ – doch deren stilvolle Eleganz kommt hier leider viel zu selten zum Vorschein.

(Tobias Imbach / exit.music)

Dies ist ein Review von unserer Partnerseite

exit.music


Tracks:
  1. Do The Joy
  2. Love
  3. So Light Is Her Footfall
  4. Be A Bee
  5. Missing The Light Of The Day
  6. Tropical Disease
  7. Heaven's Light
  8. Night Hunter
  9. Sing Sang Sung
  10. Eat My Beat
  11. You Can Tell It To Everybody
  12. African Velvet
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