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Review: Goldfrapp

 Seventh Tree

(22.02.08 / Mute)

Eingefleischte Fans von Goldfrapps Debüt-Album "Felt Mountain" (wie der Verfasser dieser Zeilen) können aufatmen: Das neueste Album bewegt sich nach den beiden Vorgängeralben wieder weg vom Elektropop, Glammour und Glitter, zurück zu den Anfängen der Band, also zu Electro-Folk, Filmmusik und warmen, kuscheligen Felt Mountain-Feeling.

Dabei beweist Allison Goldfrapp einmal mehr die Wandlungfähigkeit einer Madonna: Nach Felt Mountain, in Gummistiefeln und Regenschutz irgendwo in den Bergen, Black Cherry mit harten Beats und Tierpelzen bis Supernature mit extravaganten Kleidern und tanzbaren Club-Beats haben die Engländer erneut einen Schritt gemacht, diesmal wie gesagt wieder näher zum Debüt, mit viel "echten" Instrumenten, Streicherarrangements und einem CD-Artwork, das eher an die 60er und 70er Jahre und die Hippie-Bewegung erinnert. In all den Phasen war Goldfrapp aber immer Goldfrapp, denn das Zenrum der Musik blieb immer die Stimme von Allison. Und auf dem neuesten Album ist dies vielleicht noch ein wenig mehr der Fall, denn die Songs sind insgesamt ruhiger und besonnener, es wurde mehr Gewichtung auf Songwriting und Melodie als auf die Beats gelegt.

Nicht ganz unbeteiligt an dem neuen Stilwechsel wird wohl Mark Ellis sein. Der CO-Produzent des Albums, besser bekannt unter dem Namen Flood, war vorher in der selben Rolle bei PJ Harveys Album "White Chalk" tätig, später in diesem Jahr wird er dies wohl bei Sigur Rós tun. Ein weiterer Punkt ist, dass das neue Album zur momentanen Vorfrühlingsstimmung passt - wahrscheinlich auch nicht zufällig: Gemäss den Aussagen von Allison Goldfrapp und Will Gregory lief die Aufnahmesession im Winter 2006/2007 in Bath, England harzig, erst die Frühlingssesion brachten die gewünschten Resultate, aus denen das Album dann entstanden ist. Dazu passen auch die Bilder im Booklet des Albums: Sonnenbestrahlte Aussenaufnahmen in Wiesenlandschaften.

Ganz bis zurück zu Felt Mountain geht die Musik aber trotzdem nicht - es findet sich auf dem Album kein "Jodeln" mehr, wie im Track "Felt Mountain" (mit Jodeln wurde Allison seinerzeit auch von Oribital entdeckt), aber es hat trotzdem noch der eine oder andere Ausnahmesong auf dem Album. Anstatt dem 3/4-Takt "Oompa Radar" wird das fröhliche "Happiness" im bewegten 2/2-Takt angespielt und "Cologne Cerrone Houdini" erinnert mit seiner Gitarre/Bass/Streicher-Zusammenstellung leise an Air.

Da "Seventh Tree" wieder sehr nahe am ersten Album zu liegen kommt, muss man die Vergleiche auch eher zu diesem ziehen, anstatt zu den beiden vorherigen "Black Cherry" und "Supernature". Dieses erste Album hatte viele Tracks die man sich erst mal ein paar mal anhören musste, bis man deren Schönheit entdeckte, da sie am Anfang einfach zu quer in der Landschaft standen und nicht eingeordnet werden konnten (z.B. "Paper Bag" oder "Deer Stop").
Es liegt wohl am Fehlen dieser Schrägheit und "Schrulligkeit", welche "Felt Mountain" noch hatte, dass die einzelnen Songs auf "Seventh Tree" zwar gefällig sind und in einem Stück durchgehört werden können, mehr aber leider nicht. Meistens sind es schwelgende Hymnen wie z.B. "Some People", denen einfach der bestimmte Anteil an "Unsauberkeit" fehlt. Jene Synthie-Teppiche sind zwar schön, aber relativ aussagslos.

Im Grunde genommen ist "Seventh Tree" also ein schönes Album, erfüllt aber leider nicht ganz die (warscheinlich viel zu hoch gesteckten) Erwartungen die entstanden sind, als es hiess dass die Band wieder einen Schritt zurück zu ihren Anfängen unternommen hätte. Ausnahmen - also Tracks mit einem gewissen Mass an Vertrübung in Synthie-Ozean - gibt es dennoch mit "Eat Yourself", "Happiness" und dem rockigen "Caravan Girl".

(grid)

Reinhören:
http://www.myspace.com/goldfrapp


Tracks:
  1. Clowns
  2. Little Bird
  3. Happiness
  4. Road to Somewhere
  5. Eat Yourself
  6. Some People
  7. A&E
  8. Cologne Cerrone Houdini
  9. Caravan Girl
  10. Monster Love
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