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Review: Herbaliser

 Same As It Never Was

(23.05.08 / !K7)

Schon oft hatte ich von Herbaliser gehört. Dies aber immer im Zusammenhang mit irgendwelchen "vernebelten" Chill-Out -oder Easy-Listening-Platten. Mit "Same as it never was" wird's aber schwierig mit Zurücklehnen, denn das neue Album ist eine erfrischend abwechslungsreiche Mischung aus Hip-Hop, Funk und Jahrmarktmusik. Und immer mit einem gewissen Touch aus vergangenen Zeiten. Herbaliser setzt coole Samples und Instrumente ein, die irgendwie nach 30er- und 40er-Jahren tönen.

Dies gibt das gewisse Etwas und hat Seltenheitswert. Fröhlich und humorvoll kommt die Musik daher. Nach ein paar Songs könnte es einem dann auch mal zu bunt werden, weil der Sound manchmal bis zur Schmerzensgrenze mit Effekten "beladen" ist.

Aber: Die Fülle an verschiedenen Musikstilen macht dieses Minus rasch wieder wett, auch wenn nach der ganzen CD fast schon ein wenig der Schädel brummt. Ein Trip in die kunterbunte Welt von Herbaliser. Bei einzelnen Songs hat man effektiv das Gefühl, sie seien vor einigen Jahrzehnten aufgenommen worden. Zum Beispiel bei "Clap your hands" mit der auf dem ganzen Album präsenten Stimme von Jessica Darling. Das Ding erinnert schwer an die Jackson Sisters und fährt im Nu in die Beine. Da haben die Engländer Jake Wherry und Ollie Teeba aka The Herbaliser den Vogel abgeschossen.

Irgendwie faszinierend, wie es die beiden Herren schaffen, Oldskool-Funk mit Hip-Hop und Jahrmarktgedudel zu mischen. Wie in "Game set & match", wo More or Les in Eminem-Manier rappt, volle Beats donnern und im Hintergrund jede Menge ulkige Geräusche und Instrumente zu hören sind, allem voran eine Handorgel. Das ganze Gemisch inkl. Scratch-Geräuschen könnte auch total lächerlich klingen, tut es aber nicht, weil es so gut arrangiert ist, dass man davor den Hut ziehen sollte.
Die Herbaliser-Guys haben Freude an der Musik und sind bestimmt ab und zu Kindsköpfe. Aber sie wissen, was herzhaft groovt, dudelt und gute Laune versprüht.

Ein paar Stücke kommen auch ohne Stimmen aus, sind aber keine langweiligen Easy-Listening-Albumfüller, sondern mit viel Liebe zum Detail produzierte Songs. "The next spot" beispielsweise hat was von Film-Musik und man hört ein ganzes Orchester mit Bläsern und Streichern.

Wenn man den Sturm auf seine verschiedenen Musiksinne nach intensiven Dreiviertelstunden zufrieden überlebt hat, holt einen das warme "Stranded on earth" behutsam wieder auf den Boden der Realität zurück.

Uff war das ein Trip – aber gut getan hat’s! So was bekommt man selten zu hören.

(bb)

Reinhören: myspace.com/theherbz


Tracks:
  1. Same as it never was
  2. On your knees
  3. Just won't stop
  4. The next spot
  5. Can't help this feeling
  6. Amores bongo
  7. Street karma (A cautionary tale)
  8. You're not all that
  9. Blackweather drive
  10. Game set & match
  11. Clap your hands
  12. Stranded on earth
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