Last Night
Man merkt schon, dass er ein Kind der 90er Jahre ist, denn auch auf dem neuesten Werk "Last Night" des Ur-Ur-Grossneffen von Herman Melville (Moby Dick) Klingt die Musik von Richard Melville Hall a.k.a. Moby teilweise nach Love Parade und Rave-Hallen. Schon 2002 rappte Eminem in seinem Song "Without Me" polemisierend die Zeile "You don't know me, you're too old let go its over, nobody listens to techno" und warf Moby vor, veraltet und überholt zu sein. Aber stimmt denn das? Kocht Moby einfach die alten Hymnen wieder hoch?
Nun, dieses mal tut er dies scheinbar gewollt, denn auf seiner Website moby.com ist zu lesen:
"Last Night" is basically a love letter to dance music in new york city. What i love about the New York approach to dance music is the eclecticism and the open minded-ness on the part of the musicians, the dj's, and the people in the bars and clubs. In making 'Last Night' i essentially tried to take a long 8 hour night out in new york city and condense it into a 65 minute long album."
Trotz dieses Hommage-Plans kann man doch Anforderungen das Album stellen, denn ein Künstler kann auch nach vorne schauend zurückblicken. Dies passiert auf "Last Night" aber nur teilweise. Manches auf der neuen Scheibe kommt einem wirklich vor wie 12 Jahre alte Dance Hits. "Disco Lies" oder "The Stars" klingen sehr nach einfacher Sequencer-Zusammenstellung mit Synthie-Streichern und einer dominanten Frauenstimme mit simplem Text und Melodie. Also eher Nostalgie für eine (damals schon) simpel gestrickte Ära in der Geschichte der elektronischen Musik anstatt Innovation. Dem Titel nach ist dies bei "Everyday It's 1989" auf eine ironische Art gewollt.
Das zweite was man feststellen kann ist, dass gewisse Muster bei Moby immer wieder zu finden sind. Auch wieder bei "Everyday It's 1989" ist es dieser Gesangssample einer Frauenstimme (warscheinlich aus den 60ern oder 70ern), welcher endlos wiederholt wird. Dies hatte man schon vor knapp 10 Jahren bei "Natural Blues" und auch schon früher. Klar, man kann argumentieren dass dies eben Mobys Stil sei, aber trotzdem, es klingt immer wieder gleich.
Suchen wir also das Positive auf "Last Night", die Innovation. Fündig wird man bei bei der ersten Single-Auskopplung "Alice", ein Track, bei dem sich auch die Rapper Aynzil und 419 Squad beteiligt haben. Ein tief pumpender und treibender Beat mit verzerten Gitarrenriffs. Ein ganz toller Track. Auch der nächste, "Hyenas" überrascht und entzückt ob seiner "Trip-Hoppigkeit" und den französischen "Dialogen" (weder Gesang noch Rap).
Zusammen noch mit dem schon beinahe Ambient-Mässigen "Sweet Apocalypse" (Synthie-Streicher-Wände), dem leicht an "Porcelaine" erinnernden Schwelger "Mothers Of The Night" und dem wunderschön jazzigen Hidden Track mit dem Namen "Lucy Vida" finden sich auf dem Album aber dann doch sehr viele neue Klänge, die wirklich überzeugen können. Wer die 90er Jahre mit ihrem Lasershow-House eigentlich gerne hinter sich lassen würde, könnte mit diesem Album (mithilfe der Skip-Taste für einige Tracks) trotzdem noch einige schöne und überraschende Minuten verbringen.
(grid)
Reinhören in ein Mashup des Albums: http://rcrdlbl.com/artists/Moby/music
- Ooh Yeah
- I Love to Move in Here
- 257.zero
- Everyday It's 1989
- Live for Tomorrow
- Alice
- Hyenas
- I'm in Love
- Disco Lies
- The Stars
- Degenerates
- Sweet Apocalypse
- Mothers of the Night
- Last Night
- Lucy Vida [Hidden Track]




