Portrait Shantel CD-Kritiken Soundtrack - The Edge of Heaven |
Shantel - Disko Partizani (24.08.07 / Essay Recordings) Trompete, Handorgel, östliche Melodien, traurig und doch festlich. So werde ich empfangen und schon sehr schnell ist es fast unmöglich, stillzusitzen zu dieser Musik. Du wirst gefangen, vom treibenden Rhythmus, deine Beine und Arme tänzeln und die Handorgel gibt den "Beat" an. Dazu kommen eine englische Männerstimme und eine Frauenstimme - ihre Sprache könnte türkisch sein. Ich habe das Gefühl, man spürt eine unendliche Freude, Fröhlichkeit, Zufriedenheit, aber auch Bescheidenheit eines Volkes, das da musiziert. Es scheint, als sei ich selbst zu diesem farbenfrohen Fest eingeladen und ich sehe tanzende Röcke, lachende Gesichter, rieche Gerüche, Gewürze. Die Melodien sind fröhlich, werden zum Teil aber auch kitschig und gehen fast in Schlagermusik über. Folklore eben. Die Volksmusik des Ostens. Und das überrascht auch nicht. Der Frankfurter Dj Stefan Hantel (Shantel) hat seine Heimat nämlich in der Bucovina. Der ehemalige Vielvölkerstaat Osteuropas. Das historische Gebiet zwischen der heutigen Ukraine, Rumänien und Moldawien nannte man Bukowina. So gründete Shantel den Bucovina-Club, und die CD dazu. So begann Stefan Hantel, Freestyle- & Elektro-DJ, in seinen gewohnt elektrischen Mix Beats aus Brasilien und Nordafrika, Roma-Balladen und Tänze vom Balkan zu mischen. Die Tanzfreudigen waren begeistert. Eine wichtige Inspiration für Shantel sind ganz klar die Zigeuner. Ohne sie wäre das musikalische Leben des Balkans undenkbar. Auf ihrem langen Weg durch Länder und Kulturen nahmen sie da und dort Melodien, Rhythmen oder einen Chorus mit, setzten sie neu zusammen und kreierten etwas Eigenes. Das Sampeln ist entstanden. Wichtig für die Electronica- und Dancemusic-Szene. Ziel von Shantel ist es, die Balkanmusik, die Zigeunermusik, seine Heimatsmusik salonfähig zu machen und nach Europa zu bringen. Die Musik so aufpeppen, dass man sie in Clubs spielt, ohne aber der Musik ihre Wurzeln zu nehmen. Und das ist ihm 2005 gelungen, mit seiner Bucovina-Club-Platte. Ein Mix aus traditioneller Musik aus dem Osten und unserer Clubmusik. Es wurde gar eine neue Pop- und Clubkulturwelle ausgelöst. Und die wird jetzt hoffentlich wieder ein bisschen aufgewirbelt durch seine neue CD "Disko Partizani". Mir gefällt vor allem die fremde Sprache, das Orientalische, das Festliche und die Freude, die in der Musik steckt. Und die starken Bläsereinlagen. Super Blasinstrumente, die die Leitung übernehmen und die Melodie geben. Klarinette, Trompete und Tuba. Erinnert mich manchmal auch ein bisschen an Guggenmusik. Aber eben, halt schon an erster Stelle an Zigeunermusik oder Bauchtanz mit schlängelnden Bewegungen. Die CD hat für mich aber zwei Teile: Es gibt auch Stellen, die mir nicht gefallen. Dann, wenn es zu fest Schlager wird, zu billig. Meistens ist das, wenn der Gesang englisch wird. Vielleicht eben darum, um den Sound clubfähiger zu machen. Das finde ich schade. Am besten würde man den englischen Gesang weglassen. Clubmusik ist es sowieso schon, durch den Beat, den Shantel dem "Balkan" neu dazugibt. Disko Partizani ist Folklore, Balkanmusik, Zigeunermusik, Balladen und Tanzmusik und Gesang in einer wunderschönen Sprache. (meret) Tracks:
|
|
Kommentare |
|