| Dampfzentrale 17.02.2008 |
Portrait KTL CD-Kritiken KTL 2 |
|
Die Berner Dampfzentrale scheint ein Herz für Fans der Drone-Musik zu haben: Bereits zum zweiten Male führte sie ein Konzert in der losen Reihe mit dem passenden Namen "Slow Music" durch, welche sich ganz der doch eher unbekannten Musikrichtung mit den langsamen, tiefen Dauertönen widmet. |
|
Während bei der ersten Veranstaltung die doch eher klassisch orientierten Stars Of The Lid zu Gast waren und der Saal auch entsprechend bestuhlt und mit einem gereiften Publikum bestückt war, verzichtete man dieses Mal passenderweise auf Sitzgelegenheiten. Das recht zahlreich erschienene Publikum, das die metalgeprägten Pioniere des Drone Dooms von Earth angezogen hatten und dementsprechend ein bunter Mix aus Metallern, studentisch wirkenden Twens und Altrockern war, hätte Stühle wohl auch kaum geschätzt. |
|
Als erstes betrat Bishop die Bühne, wobei er nur mit einer elektronischen Gitarre bewaffnet war, welcher er sich mit Hingabe widmete. Vieles tönte doch sehr improvisiert und manchmal, besonders, wenn er ein Stück unvermittelt abzubrechen schien, wähnte man sich eher in einem Proberaum statt in einem Club. Vor allem den Anfang, welcher unter anderem eine sehr eigenwillige Interpretation des Wizard-Of-Oz-Klassikers „Somewhere Over The Rainbow“ enthielt, empfand ich als nicht sonderlich packend. Allerdings legte er gegen Ende doch sehr zu und es schien als habe der Blasphemiker Bishop wie anno dazumal der gute Thommy Johnson dem Teufel seine Seele im Tausch gegen ein perfektes Gitarrenspiel feilgeboten. Der Mix aus Folk, spanisch gespielter Gitarre und orientalischen Einflüssen kam beim doch sehr schnellen Tempo erst recht zur Geltung und auch das (wiederum sehr eigenwillige) Mars-Volta-Cover gefiel. |
|
Nach einer kurzen Pause erschien das Duo KTL - der Name stammt von der Theaterproduktion „Kindertotenlieder“, für welche die beiden Musik komponieren – im Nebel. Die Bühne war so sehr in Kunstnebel gehüllt, dass sowohl die beiden Musiker als auch einige Zuschauer zuerst einmal herzhaft husten mussten. Stephen O'Malley, der auch Teil der von Earth inspirierten Drone-Band Sunn O))) ist, machte es sich an der Gitarre gemütlich, der Franzose Peter Rehberg war für die Elektronik zuständig. Mit sehr tiefen (und lauten) langsamen Soundstrukturen und geschickt eingesetzten Elektronikeffekten schickten die beiden die Zuschauer auf eine Reise ins Reich der Finsternis. Solch dichte Musik habe ich noch sehr selten erleben können und KTL gehört definitiv zu den Bands, die man einfach live erleben muss, um ihre ganze Stärke zu begreifen. Die langsamen, immer sehr tiefen und bedrohlichen Gitarrenstrukturen, die zuhause allenfalls langweilig wirken mögen, entfalten mit einer guten Anlage erst ihre ganze Wucht. Einzig die etwas zu helle Beleuchtung störte die ansonsten perfekte Atmosphäre. Dass der Auftritt nur dreissig Minuten (und eine Komposition) lang dauerte, war sicher eine weise Wahl, denn obwohl man sich in der Musik gänzlich verlieren konnte, war man doch nicht unglücklich, diese Dunkelheit wieder einmal verlassen zu dürfen und an der Bar wieder Menschen schwatzen und lachen zu hören. |
|
Earth präsentierte sich, auch wenn die Band sicher noch sehr weit von einem Mainstream entfernt ist, doch einiges zugänglicher. Neben Mastermind Dylan Carlson an der Gitarre, waren auch ein Bass, ein Schlagzeug und ein E-Piano präsent. Im Gegensatz zu früheren Werken hat Earth also wieder zu den Drums zurückgefunden. Sehr präzise und perfekt abgestimmt präsentierten die Amerikaner, welche nur aktuelle Stücke spielten, eine sehr langsame Version von Country, Blues und Rock mit gelegentlichen elektronischen Effekten. Vor allem Adrienne Davies an den Drums ist dabei hervorzuheben, passten ihre im Zeitlupentempo verteilten Schläge doch immer auf die Millisekunde in den Song. Ein wirklich gefälliges Konzert, wenn auch leider ohne Zugabe und daher mit knapp einer Stunde zu kurz. Es wurde aber doch mehr als nur klar, warum Dylan Carlson einen Kultstatus geniesst, welcher darüber hinaus geht, dass er mit Kurt Cobain die ominöse Schrotflinte kaufen gegangen sein soll. Setlist Earth: |
| Kommentare von anderen Konzertbesuchern |
|
19.02.2008 danke für den bericht - hat mich daran erinnert, dass ich insbesondere KTL unbedingt noch live sehen möchte. jedenfalls schön, dass die organisatoren es hinkriegten, für diese doch schwere kost ein publikum zusammenzukriegen. und unkonventionelle kombination mit sir bishop - ich sah ihn als support von bonnie "prince" billy letztes jahr. wanja |
| Neuer Kommentar erfassen |













