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Review: Kitchen
Bones & Criminals
(03.04.09 / self promoted)
Lange musste man auf das Debütalbum der Basler Band Kitchen warten. Mehrere Jahre waren diese nun immer wieder mit sehenswerten Konzerten, vor allem in der Region, aber auch in der restlichen Schweiz zu sehen. Für den heimischen Player aber waren bisher nur wenige Live-Aufnahmen und MP3s (meist von eher niedriger Qualität) zu finden. Jetzt aber, dreieinhalb Jahre nach unserem Konzertbericht, können wir hier auch das Review von ihrem Album Bones & Criminals veröffentlichen. Seit einiger Zeit haben sich Kitchen schon für Konzerte mit der Streichergruppe The Holy Strings zusammengetan, die nun auch auf dem Album auf Bones & Criminals in allen Tracks für die Athmosphäre sorgen. Die schon vorhandene Instrumentierung blieb jedoch bestehen, sprich Luca Jerfino am Bass und Xylophon, Dominik Blumer an der durchdringenden Les Paul-Gitarre und am Sampler, und Tobias Lerch bedient jegliche Rhythmusgeräte, also Drums, Sampler etc. Einzig die Melodica, die bei früheren Live-Konzerten noch im Aufbau des Tracks "The Monday After" (früher auch einfach "tma" genannt) ihren Platz fand, wurde nun durch die Streicher ersetzt. Das Album beginnt mit dem Titelstück "Bones & Criminals", einem typischen Aufbaustück, bei dem langsam, Takt um Takt an der Zusammensetzung gearbeitet wird. Über Glockenspiel, Gitarre, dann Drums und schliesslich die verzerrte Gitarre fährt die Musik ihrem Höhepunkt entgegen. Die Streicher halten sich da noch sehr im Hintergrund, was sich aber schon bei "A Very Friendly Topology" und "For Your Ears Only" ändert. Jedoch sind auch hier vor allem wieder die Rhythmussektion mit ihren Drum'n'Bass-Sounds, die Gitarre und der Synthie die tragenden Instrumente. Einer der gewaltigsten Live-Stücke ist "The Monday After". Wer die Band schon live gesehen hat, wird sich auch an die Einspielungen aus dem Film "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" erinnern, die jeweils von Benjamin Meier hinter die Bühne projiziert werden. Der Track wurde jahrelang gespielt, angepasst, ausgebaut und perfektioniert, was man auch an der Komplexität erkennen kann. Sicher ein Höhepunkt auf dem Album, nicht zuletzt wegen den sehr schön arrangierten Streichermelodien. Nach dem intermezzoartigen "21 12" kommt mit "My Chemicals" ein Track, der wegen der satten Streichersektion und der spanischen Tonleiter in der Gitarrenmelodie sehr stark an Massive Attack erinnert, nicht zuletzt wegen dem hypnotischen Basslauf. "Rhizom Is Love" ist der zweite Track auf dem Album, der neben "The Monday After" an Livekonzerten immer die grösste Energie entwickelt. Dieser den unterirdisch wachsenden Pflanzenknollen gewidmete Track ist auch der einzige, in dem in der ersten Hälfte ein wenig Gesang vorkommt (jedoch ohne Text). Die zweite Hälfte dann ist eine Eruption aus Sound: Düster und repetitiv werden immer die selben drei Noten bearbeitet und geformt wie eine Urgewalt aus dem Erdinnern. Etwas überraschend dann die Wende von diesem fast schon apokalyptischen Stück zur "Sweet Love", welches eine Kammermusikartige überleitung zum letzten Stück auf der Platte ist. "Renew Thy Force" beginnt dann mit eben dieser Streicherüberleitung so enthusiastisch wie mancher Track von Sigur Rós. Im Laufe der knapp zehn Minuten werden dann nocheinmal sämtliche Stimmungen druchgespielt: Nach diesen irgendwie isländischen, ruhigen Anfangsklängen schwingt der Ton wieder in düster bedroliche, laute Gitarrenwände und dann zurück in ein Fade-Out mit einem Kurzen Reprise von "Sweet Love". Sicher ein sehr gut gewählter Albschlusstrack für ein Album. Das Debütalbum von Kitchen ist auf jeden Fall sehr gelungen, wenn auch das Mastering in manchen Tracks, beispielsweise im Opener "Bones & Criminals", die Bässe noch ein wenig mehr hätte herausholen und "wummern lassen" können. Dennoch ist die Band musikalisch auf sehr hohem Niveau; die zumeist "real gespielten" Drum'n'Bass-Beats lassen die Musik sehr stark leben und die Streicher von The Holy Strings geben dem Sound die Fülle und das Volumen. Da Kitchen vor Allem aber auch erst Live richtig wirken empfielt es sich, immer wieder auf deren Website (oder in unserer Konzertagenda) die Augen nach entsprechenden Auftritten offen zu halten. (grid) Reinhören: http://www.myspace.com/rhizomislove
Tracks:
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