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Review: Marygold

 My Bow, My Arrow, My Target

(13.02.09 / Echopark)  

Die allerliebsten Luzerner um Marygold zeigen eindrücklich wie nie zuvor, was man als Schweizer Band tun muss, um ohne Wenn und Aber seitens der Zuhörer- wie auch Kritikerschaft in alle Himmel gelobt zu werden.

Vorerst ein kurzer Kommentar zum Titel: Die Intuitionsforscher Langan-Fox und Shirley (2003) beschrieben das Phänomen Intuition folgendermassen: ’knowing without being able to explain how we know’. Dies hat weder mit Instinkten (diese sind im Vergleich zur Intuition angeboren bzw. nicht erworben) noch mit Einsicht (diese verlangt tiefere mentale Auseinandersetzung) zu tun. Schliesslich wurde auch mein Urteil zu My Bow, My Arrow, My Target mehr oder minder intuitiv gefällt, das heisst einerseits spontan und unter Zeitdruck, andererseits durch erworbenes Wissen geprägt. Natürlich kann man intuitiv falsch liegen, was ich in diesem Fall jedoch stark zu bezweifeln wage, da dieses Album tatsächlich grossartig ist und entsprechend nicht intuitiv entstanden sein kann.

Schon Dare, Dare…Surrender war ungelogen ein Meisterwerk schweizerischen Musikschaffens. Marygold folgen grundsätzlich dem damals eingeschlagenen Pfad, weichen jedoch vermehrt von diesem ab und präsentieren nun ein gleichermassen abwechslungs- wie ideenreiches Produkt.
Dieses beginnt mit "Rocket Chair (Part 1 & 2)" elektronisch. Ein trockenes Schlagzeug und eine Gitarre gesellen sich zum Synthie, dann Burrells flehender Gesang, begleitet von lieblichen Glockenklängen. Beatlastige Zwischenspiele. Der erste Gedanke geht in Richtung Bloc Party. Komplexer Aufbau, durchdachte Strukturen, hervorragende Produktion. "Q and A" erinnert dann scheu an "Nothing else" vom Vorgängeralbum, hartes Riff, beinahe minimalistische Elektronik. Doch das Stück gewinnt im Verlauf an Intensität und Druck und erstmals merkt man deutlich, dass der Blackmail’sche Gitarrenhexer Ebelhäuser auch auf diesem Album die Finger im Spiel hat.

Burrells teilweise beinahe elbenhafte Stimme fügt sich bestens in die durchwegs düstere Atmosphäre der Songs, welche allesamt irgendwo zwischen modernem Indierock und Elektronik pendeln. Die Songs bzw. die ausgeklügelte Produktion lässt den vielfältig eingesetzten Instrumenten trotz Gitarren- und Synthiedominanz genügend Platz zur Entfaltung. Da taucht plötzlich ein Saxophon auf, welches relativ wirr (ich denke an The Mars Volta) daherhupen darf, dort etwas Flötenähnliches, da ein paar Pianotöne. Dann vereinzelte instrumentale Exzesse. Wunderbar, ganz grosses Kino.

Marygolds neues Werk braucht ordentlich Zeit (die ich mir noch nehmen muss). Doch je genauer man hinhört, desto mehr technische, musikalische und kompositorische Finessen erreichen den auditiven Kortex. Anspruchsvolle, düstere und gleichzeitig wunderschöne Musik zwischen harten Gitarren und grossen Emotionen. Für die Ewigkeit.
Wer dieses Album verpasst ist ja so was von selbst schuld...

Reinhören kann man hier:
http://www.myspace.com/marygoldch

(Philipp Gautschi / exit.music)

Dies ist ein Review von unserer Partnerseite

exit.music

Tracks:
  1. rocket chair (part 1)
  2. rocket chair (part 2)
  3. q and a
  4. glory box (part 1)
  5. glory box (part 2)
  6. mellow
  7. rolling over all the warning signs... making a fool of myself
  8. skip life (part 1)
  9. skip life (part 2)
  10. conspiracy
  11. end of a circle
  12. up to the world
  13. make the pieces fit
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