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Portrait
Neuromodulator
  

Review: Neuromodulator - N

(01.02.08 / Everest Records)  

Das schweizer Label Everest Records beherbergt nicht gerade die zugänglichsten Künstler. Dies war schon nach dem Review des Label-Samplers "Expedition" (2005, Review) klar. Die neueste Veröffentlichung auf diesem Label, welche uns hier vorliegt, zeigt, dass auch in Zukunft die Experimentierfreude hoch gehalten wird, wenn "Everest Records" drauf steht.

Als "Instant Composing" beschreibt es die Band selbst, was soviel heisst, dass "der überwiegende Teil der Musik an Ort und Stelle komponiert und improvisiert und gleichzeitig mit umfangreichen Effektgeräten gestaltet wird", so die Künstler. Dies ist warscheinlich  so abenteuerlich und experimentell wie man es sich vorstellt, und klingt auch so. Und es sei voraus gesagt: Jedermanns Sache ist dieses Album garantiert nicht.

Denn weiter beschreibt sich die Band, sie habe "Einflüsse aus der aktuellen Clubmusik, aus der Avantgarde, Rock, Ethno und Jazz". Es ist aber wohl vor allem die Avantgarde, die man neben Teilen von (Free-) Jazz aus der Musik hören kann. Vergleichbar mit Stücken wie "Providence" von King Crimson, könnte man Performance Art, verworrene Naturschauspiele im Dschungel oder die Maschinen aus der kinetischen Kunst von Jean Tinguely mit der Musik von Neuromodulator vertonen. Tracks wie "Golem" (ein menschenähnliches Geschöpf aus Ton und Lehm aus einer jüdischen Legende) klingen sehr verworren und verstöhrend. "Restless Leg" hingegen ist wieder ein unruhiges Rhythmusstück, sehr wahrscheinlich ziemlich direkt aus einer Improvisation aufgenommen.

Teilweise wird zu einem Spaltbreit ein Fenster zum Drone geöffnet; der letzte Track "Pass-Age" enthält einen "Bordun", also einen anhaltenden Bassklang und darüber orientalisch anmutende Akkordeon- und Gitarrenklänge. Trotz dieser eigenwilligen Mischung ist dieses Stück wohl eines der zugänglichsten auf dem Album.

Wie gesagt werden sich Hörer, welche sich eher mit Musik in "herkömmlichen Strukturen" wohl fühlen, mit diesem Album sehr schwer tun. Strophen und Refrains gibt es keine, gar eine Melodie muss manchmal gesucht werden. Jene aber, die sich gerne auf musikalische Äste herauslassen, die auch immer mal wieder auf der Suche nach einem Alternativ-Soundtrack für die Monolith-Szene in "2001: A Space Odyssey" (auszugsweise könnte dies vielleicht oben beschriebenes "Pass-Age" sein) oder musikalische Untermahlung für die Innenaufnamhen eines Termitenhügels sind, für jene ist dieses Album eine Fundgrube, die einem auf immer neue Verästelungen von Klangspuren stossen lässt.

(grid)

Reinhören:

http://www.last.fm/music/Neuromodulator
http://www.myspace.com/neuromodul



Tracks:
  1. Sektor
  2. Schwindel
  3. Golem
  4. Restless Leg
  5. Transmission
  6. Moiquitaime
  7. Octapamine
  8. Giese 581
  9. Perdurabo
  10. Pass-Age
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