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Review: Red Snapper
Pale Blue Dot
(02.11.08 / K7 / Lo Re (ALIVE))
Die erste und trivialste Erkenntnis bleibt gleichzeitig die spektakulärste: Red Snapper, die Meister der Querbeetmusik, gibt es noch. Oder wieder. Die primäre Phase des gemeinsamen produktiven Schaffens von Ali Friend (Kontrabass), Richard Thair (Drums) und David Ayers (Gitarre) endete wie gemeinhin bekannt 2002. Dass man sich 2003 wieder zusammenfand, war mir hingegen unbekannt, allerdings blieb die Reunion mit dem Release einer Restmaterialcompilation und eines Remixalbums ohne nennenswerten Output und wurde sodann auch bald wieder zu Grabe getragen. Ab 2007 jedoch formierte sich das Trio, das sich zeit seines Schaffens immer mit tatkräftigem Personal v.a. im Vokal- und Bläserbereich zu erweitern wusste, erneut, ging auf Tour und veröffentlichte nun dieser Tage ein weiteres Album namens "Pale Blue Dot".
Folgende Kritik ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass Red Snapper für mich im Jahr 2000 mit ihrem Release von „Our Aim is to Satisfy“ absolut epochenbildend waren. Dort, wo gemäss meinem eigenen, bescheidenen Horizont damals die Grenzen und Möglichkeiten der genreübergreifenden Musik lagen, setzten Red Snapper eben gerade erst an und gingen meilenweit darüber hinaus. Hier kamen Jazz, Funk, Dub, Jungle, Trip-Hop und Psychodelic in einer furiosen Mischung zusammen und es wurden elektronische Paradigmen in die live gespielte Instrumentalmusik übersetzt, wie es mir bis anhin völlig fremd war. Freilich hatte ihr Debütalbum „Prince Blimey“ 1996 hier schon einiges vorweggenommen, wie ich bei der Rückwärtsentdeckung merken durfte.
Was ist nun, 2008, aus dieser vibrierenden Mélange aus blubbernder Elektronik, abgründigen Bassläufen, repetitiven Surfgitarren-Patterns und gestampften Drumbeats geworden? Red Snapper präsentieren uns sechs neue Tracks, die immerhin zeitgeistig durch Remixversionen zweier Songs (beigesteuert von Kelpe und Subway) erweitert wurden, im Grossen und Ganzen gemessen an ihrem hochkarätigen Erbe aber leider als völlig unspektakulär zu bezeichnen sind. Der Opener „Brickred“ dämpft gleich zu Beginn mit seiner repetitiven Gleichmütigkeit die Wiedersehensfreude und wird am besten in der um Welten originelleren Remixversion genossen. „Lagos Creepers“ möchte man als geradezu klassisch arrangierten und instrumentierten Jazz-Funk bezeichnen, was in Bezug auf Red Snapper nicht positiv gemeint sein kann. Hier überrascht einzig die gänzliche Überraschungslosigkeit. Nummer drei ("Wanga Doll") hingegen reisst die Chose für die Dauer eines Songs aus dem Dreck: Hier wartet eine psychodelische Gossenmischung auf, kraftvoll und reduziert in bester Livemanier hingerockt – Sessionmusik in Hochfrom. Mit "Moving Mountain" folgt für mich aber schnell Ernüchterung: Eine rudimentäre Dub-Nummer, offenbar live eingespielt, endet nach ein paar Elektronikfrickeleien und plätschernden Variationen des Basisthemas bald in der Beliebigkeit. Es wird nicht mehr besser: „Clam“ folgt einem Standard-Funk-Pattern aus Bass und Schlagzeug, unoriginell sekundiert von Gitarre und tieflagigem Sax, beinahe orthodox umgesetzt und angereichert mit Solierausflügen, die jeder Jamsession im Hobbyjazzkeller zur Ehre gereichen würden – aber nicht Red Snapper.
Wir finden auf "Pale Blue Dot" sicher keine handwerklich schlechte Musik – gemessen an der früheren Pionierkraft der Band und an der heute vorzufindenden kreativen Energie bei Acts wie Battles und Pivot ist sie aber gänzlich unbedeutend. Wer Red Snapper noch nicht kennt, steigt besser mit den erwähnten älteren Releases der Band ein. Und wer hören will, wie erstaunliche Musik 2008 meiner bescheidenen Meinung nach klingen darf, hört sich die genannten Pivot an. Kein Grund, stehen zu bleiben.
Reinhören und Livedaten im Auge behalten hier: http://www.myspace.com/redsnapperofficial
(bf)
Tracks:
- Bricked
- Lagos Creepers
- Wanga Doll
- Moving Mountain
- Clam
- Deathroll
- Clam (Kelpe Remix)
- Bricked (Subway Remix)
Bewertung: 
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