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Review: Savath & Savalas

 La Llama

(19.05.09 / Stone Throw Records)

John Cleese mit grossem, offensichtlich falschem Schnauz ruft schrill: „¡Olé! Pero las llamas son peligrosas a su usted ve una llama donde hay gente nadando, usted grita:¡CUIDADO! ¡LLAMA!“. In den englischen Untertiteln lesen wir: „Llamas are dangerous! If you see one where people are swimming, you shout: Look out! There are llamas!“ Eric Idle als mexikanischer Gitarrist und Terry Jones als Tänzer wiederholen die letzten Worte singend. Das Publikum lacht. So ein kleiner Ausschnitt aus dem Llama-Sketch der britischen Komikertruppe Monty Python, den Meistern des absurden Humors.

Fast genau vierzig Jahre nach der Aufzeichnung dieses Sketches nimmt Scott Herren, der in den USA geboren Sohn von katalanischen und kubanisch-irischen Eltern, zusammen mit der katalanischen Sängerin Eva Puyuelo Muns und in erstmaliger Zusammenarbeit mit dem Ecuadorianer Roberto Carlos Lange ein von der brasilianischen psychedelischen Musik der frühen Siebziger inspiriertes Album auf und nennt es „La Llama“. Lamas, übrigens zur Familie der Kamele gehörend - man darf ruhig auch mal in einer Musikrezension etwas lernen – kommen aber ausserhalb von Tiergärten weder in Brasilien, noch in Kuba und schon gar nicht in den USA oder Katalonien vor, höchstens in Ecuador dürfte es welche geben. Absurd? Vielleicht. Wichtiger für uns ist aber: Wie tönt die Musik?

Eigentlich darf man vom Vielarbeiter Herren ja nicht allzu viel erwarten, hat er doch vor kurzer Zeit ein Album und eine EP unter seinem bekanntesten Pseudonym Prefuse 73 veröffentlicht, ein neues Projekt Diamond Watch Wrists ins Leben gerufen und mit einer CD ausgestattet, mit Mitgliedern von Sunn O))), Pivot und Eva Puyuelo Muns und vielen mehr die Suppergruppe Risil gestarten und nebenbei eine Tour durchgeführt. Nach menschlichem Ermessen dürfte hinter „La Llama“, welches mit seinem ältesten, auf katalanischen Acid-Folk spezialisierten Projekt Savath & Savalas eingespielt wurde, eigentlich nur eine leere Scheibe versteckt sein. Doch weit gefehlt: Ganze 45 Minuten an Musik und, wichtiger, eine Fülle an Ideen verbergen sich hinter dem gelungenen Cover.

Obwohl „La Llama“ auf dem amerikanischen Hi-Hop-Label Stone Throw Records, der Heimat von Madlib, veröffentlicht wurde, ist das Genre Hip-Hop, im Gegensatz zu Veröffentlichungen unter Prefuse 73, gänzlich abwesend. Stattdessen dominiert ein Gemisch aus altmodisch anmutenden Folksongs, Psychedelik-Ausflügen und moderneren Folkausprägungen à la Fleet Foxes. Obwohl die Inspirationsquelle Südamerika stets präsent ist, fühlt man sich nie an kitschige Weltmusik-Veröffentlichungen erinnert. Die Ideen holte man sich bei der avantgardistischen Musik der Siebziger aus Recife und nicht beim Indiotrio an der Strassenecke.

Dabei wurden alle Rhythmen, auch dies für diejenigen ungewohnt, die Herren vor allem als Prefuse 73 kennen, allesamt von Perkussionisten eingespielt, auf Samples wurde verzichtet. Die Bedeutung der Texte kann hier, da ich weder spanisch noch katalanisch verstehe, leider nicht diskutiert werden. Umso mehr kann das äusserst gelungene Zusammenspiel von Muns' luftig-ätherischen, hippiesken Stimme, manchmal mehr gehaucht als gesungen, und dem Hintergrund Marke Folk auf Coca trifft auf Jazz und Bossa Nova, festgestellt werden. Auch wenn die Versuchung gross ist dem Album den Stempel „Freak Folk“ aufzudrücken, scheint mir dies doch aufgrund der stets spürbaren Ernsthaftigkeit und der regelmässig auftretenden in sich schwelgenden Gemütlichkeit, nicht angebracht.

Tipp: An die Sonne raus gehen und sich von der trotz eigentlich schwerverdaulicher Ideen beinhaltenden eine befreiende Leichtigkeit vorgaukelnden Musik in die Lüfte erheben lassen. In der wunderbaren Schönheit der Musik schwelgend sei aber nicht vergessen: „Llamas are dangerous!“

(as)

Tracks:
  1. Intro
  2. La Llama
  3. Las 7 Sendas
  4. Carajillo
  5. Una Cura
  6. Pavo Real
  7. El Colleccionista
  8. Sounds of Bowery
  9. La Loba
  10. Pajaros en Cadaques
  11. Me Voy
  12. Untitled
  13. Barceloneta
  14. Postlude
  15. No Despierta
  16. Adeu
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