Morcheeba
@ Live at Sunset, Zürich 20.07.2003

Eigentlich stammt „More Cheeba“ aus dem englischem Slang und ist als Verlangen nach einem bestimmten grünen Krautes zu verstehen. Die Zeiten als sich Morcheeba aber nur einem Kifferpublikum präsentierten, sind spätestens seit Fragments of Freedom vorbei. Dies beweisst auch Morcheeba’s Auftritt am Live at Sunset in Zürich.
Glitz&Glamour sowie Champagner dominierten das Umfeld eher als (Trigger)Hippies und Dosenbier.
Dem entsprechend wird von den edlen Besuchern des Abends auch nicht verlangt, ein ganzes Konzert zu stehen, nein, denn beim Live at Sunset handelt es sich um ein gestuhltes OpenAir.
Wie Skye, Sängerin von Morcheeba, wohl auf das sitzende Publikum reagieren wird, war wohl eine der intressantesten Fragen im Vorfeld des Konzertes, denn schliesslich ist sie bekannt dafür, dass sie die Zuschauer immer mitzureissen versucht. Ob das aber bei diesem Publikum auch klappt ?
Mehr oder weniger pünktlich erschien die Band und liess die ersten Töne erklingen. Mit einem Cocktailglas und ganz in weiss, erschien dann die schwarze Queen of TripHop.
Es war schon ein komisches Gefühl zu den Klängen von The Sea einfach so ruhig dazusitzen.
Doch das Problem wurde schnell gelöst: Skye wollte einfach auch das ganze Konzert sitzend singen, da sie jedoch keinen Stuhl zur Hand hatte, bat sie das ganze Publikum aufzustehen um sich zu Friction zu bewegen. Und tatsächlich stand auch der Hinterste und Letzte auf. Ob dies aus Begeisterung geschehen ist oder um nur beim“Sehen und Gesehen werden“ keine schlechte Falle zu machen, sei dahingestellt.
Nach Tape Loop folgte dann auch schon der erste Hit Otherwise, welches dann auch das weniger Fachkundige Publikum sichtlich mehr geniessen konnte.
Nach dem immerhin das Aufstehen geklappt hat, versuchte Skye das Publikum zum mitsingen zu Parts of the Process zu animieren. Eigentlich kam für mich überraschend einige Töne aus gewissen Mündern heraus, für die charmante Sängerin war das aber natürlich zu schwach. Mit der Feststellung, dass das Publikum beim Singen nicht sonderlich begabt ist, versuchte es sie mit einem kleinen Händespiel bei Sweet or Sweet, welches dann sichtlich besser klappte.
Mal abgesehen vom Mitsingen war jedoch die Stimmung eigentlich schon zuvor vorbildlich gut, und jedes Lied wurde mit einem tobenden Applaus belohnt und auch das rhythmische Klatschen zu den Songs klappte, verglichen mit anderen Konzerten, hervorragend. Kein Wunder, denn Skye vermag mit ihrer positiven Energie, welche sie an einem Konzert ausstrahlt, wohl jedes Publikum begeistern.
Bei Be yourself forderte sie nochmals, die teils wieder abgesessenen Leute auf, wieder aufzustehen. Und bei diesem weiteren Hit ging die Post wirklich ab. Das ganze Publikum geriet aus dem Häuschen, wenn man mal von meinen Sitznachbarn, einem Reporter einer grossen Zürcher Tageszeitung (die hier nicht erwähnt werden soll) absieht.
Danach folgte ein ruhigerer Song. Dazu setzte sich auch Skye hin und erlaubte dem Publikum ihr es gleichzumachen. Und wie auf Kommando sassen alle ab. Dies war aber nicht sonderlich schlimm, denn zu Slowdown liess es sich, wie der Name des Titels vermuten lässt, gut ausruhen. Danach kam Trigger Hippy, auch noch in sitzender Pose. Einerseits ist dies wohl einer der Besten Morcheeba-Songs auf CD, live hingegen vermochte er aber nicht ganz an die Energie der anderen Lieder anknüpfen, trotzdem war Trigger Hippy nicht minder schön.
Bekanntlich setzt sich Morcheeba nicht nur aus Skye zusammen, doch die Gebrüder Godfrey hielten sich eher im Hintergrund. Oder anderst gesagt: Skye stetzt sich mit ihrem Outfit, Charm, ihrer Energie sowie ihrer Komunikation mit dem Publikum derart in Szene (ohne sich jedoch selber aufzuspielen), dass die fünfköpfige Instrumententruppe fast unterging.
Paul Godfrey hatte da die schwierigste Aufgabe, da er als DJ schon visuell zu hinderst war. Sein Bruder Ross hatte es da als Gitarrist schon leichter. Mit dem Präsentieren des Neil Young-Covers Don’t Let it Bring You down, welches anscheinend im Live-Set von Morcheeba Platz gefunden hat, war er auch kurz ganz im Mittelpunkt.
Es ist aber zu erwähnen, dass alle Fünf Musiker sehr solide Arbeit boten, welche sich in einem musikalisch hochstehendem Konzert spiegelte und natürlich gehört der Soundteppich ebenso zu Morcheeba wie Skye’s Stimme.
Beim zweitletzten Lied, Get Along, begann sich der Himmel dann allmählich zu dunkeln, welches den sehr schönen Konzertort des Landesmuseum mit seinen beleuchteten Türmen erst recht in Erscheinung treten liessen.
Nach Blindfold schenkte Skye dem tobenden Publikum ein deutsches Dankeschön, packte ihr immer noch volles Cocktailglas und verliess die Bühne.
Die begeisterte Zuschauermasse wollte natürlich noch in mehr Genuss von Morcheeba kommen und klatschten die Briten auf die Bühne zurück.
Dummerweise fing es gerade bei der ersten Zugabe an zu regnen. Die Zuschauer welche nicht Überdacht waren, zogen sich die zuvor verteilten Regenschütze an, auch wenn Skye mit Undress me now vom puren Gegenteil sang.
Der Regen liess danach aber nach, jedoch war ein starkes Gewitter sowohl zu hören als auch zu sehen, welches sowohl aus dem Publikum als auch aus Skye gewisse „oooooooh“-Rufe hervorbrachte.
Skye fühlte sich danach derart inspiriert, dass sie, nur vom Piano leise begleitet, zu einem textlich improvisierten „I’m singing in the rain“ anstimmte, welches nicht nur vom Publikum, nein auch von der Band selber den verdienten Applaus erntete.
Beim wirklich letzen Song Rome wasn’ built in a Day geriet das Publikum noch ein letztes mal aus dem Häuschen. Danach war’s dann aber wirklich Schluss.
Eigentlich ein recht kurzes aber tolles Konzert, zu welchem das ebenso tolle Publikum in Genuss kam.
Insgesamt bat Morcheeba sicherlich keine grossen Überraschungen. Gespielt wurden vor allem viele Hits aus dem aktuellen Best-Of Album. Und wer Morcheeba auch noch von der Charango-Tour kannte, wurde auch nicht mit wirklich neuem überrascht. Jedoch bleibt Morcheeba eine tolle Band, welche live auch ohne grosse Änderungen brilliert. Den grössten Teil dazu liefert sicherlich die charmante Skye, welche mit ihrer unerschöpflichen Energie und mit ihrer riesigen Sympathie jeden begeistert, wenn nicht sogar wie mich verzaubert.
J.Frigg
Morcheeba
@ Live at Sunset, Zürich 21.07.2005
-> Bilder zu diesem Event

Ob ein Fortbestehen der Band ohne Skye möglich ist ? Daran zweifelten viele, auch ich.
Das schwierige Erbe hat Jody Sternberg angetreten. Barfüssig betrat sie unter Applaus um ca. 21 Uhr die Bühne zusammen mit ihrer Band. Beim Opener Lighten up wurde sofort klar, dass diese Stimme nicht identisch ist mit jener auf dem neuen Album, welches von Daisy Martey eingesungen wurde. Das zweite Stück stammte bereits aus Skye-Zeiten und irgendwie klang der Song Otherwise wie früher. Jodys Stimme ist bestimmt besser geschaffen für den Morcheeba-Sound als jene von Daisy. Sowieso hat die Sängerin erreicht, die vorherrschende Skepsis gegenüber dem Neuen, in Sympathie umzuwandeln. Energievoll und sympathisch performte sie die Stücke auf der Bühne. Sowohl ihr Tanzstil sowie ihr Zürcher Dialekt mochten zu überzeugen.

Höhepunkt des Konzertes war der Opener und Hit des neuen Albums Wonder Never Cease, bei deren Produktion auch Jody mitgewirkt hat. Natürlich hängte sich die engagierte Sängerin hier besonders rein. Mit Erfolg ! Das Publikum erhob sich zum ersten Mal von ihren Stühlen und feierte mit. Morcheeba machte aber jeweils den Fehler nach solchen energiegeladenen und stimmungsvollen Songs wieder ruhigere zu spielen.
Nach knapp einer Stunde schöner Musik, bei welcher die Briten vor allem Lieder aus ihrem neuen Album The Antidote, aber auch ein paar alte Leckerbissen, präsentierten verliessen sie die Bühne.

Natürlich kamen sie nochmals auf die Bühne zurück um dem Publikum noch drei verdiente Zugaben zu spielen. Nachdem der erste Song gespielt wurde und sich Ross über den Drogenstatus im Publikum informiert hat, kam er dann doch noch. Der Song der dafür verantwortlich ist, wieso wir Morcheeba so lieben: Trigger Hippy !
Wie vor zwei Jahren spielten sie zuletzt noch den Hit Rome wasn’t build in a Day welcher nochmals volle Stimmung brachte und somit den Musikern ermöglichten die Bühne unter tobenden Applaus zu verlassen.
Auch wenn es nicht ganz an das Konzert vor zwei Jahren herankam, als Skye das Publikum zum toben brachte, machte Jody ihren Job gut und ich werde weiterhin Morcheeba treu bleiben. Insgesamt war es ein schönes Konzert an einem wunderbaren Ort, mit einer tollen Band und guter Musik. Würdig für das gemeinsame 10Jährige Jubiläum von Morcheeba und Live at Sunset.
-> Bilder zu diesem Event
(jf)
Guete Bricht Herr Frigg.... :) gfallt mer. aber isch es nid extrem tür gsi das ganze?? und hetts sehr vill lüt im publikum gha, wo mer imene hallestadion etc. nie würd atreffe?(wenn mer das so fröge dörf..)
jo es isch schu eher für as publikum mit fettem portmonai denkt, das ganze. und einersiits häts sicher vieli lüüt kha wo nit voll morcheeba fan gsi sind, z.b. häts au so alti päärli kha wo sich eifach mol öppis gönt händ. aber morcheeba isch halt afang bekannt und au "anderi" lüüt kennents afang. aber es hät au jungi lüüt kha, so wia miar, wo wohl iares spaarschwii glehrt händ um morcheeba z'gseh
Ich wär au gern debi gsi, für mich sind sie die gröschte und ich het sie so gern gseh. Leider bin ich zu derä Zit chli amene andere Ort gsi. De bescht Ufttritt isch für mich immer no am Paleo vor es paar Jahr gsi. Ich ha sie damals noni kennt gha und sit dem chan i nüme loslah...*schwärm* Und ja, danke für de mega guet gschribni Bericht. De isch würklich guet, nid so trochä wie ich erwartet gha het. Kompliment! Gruess

Tiefes Tauchen? Selten in seichtem Wasser...
Möglicherweise hatte ich einfach zu hohe und vor allem andere Erwartungen und mit dem Albumtitel tatsächlich eine falsche Richtung assoziiert, aber mich persönlic...
Zuerst erschrak ich, nachdem ich die Play-Taste gedrückt hatte. Ist das Morcheeba? Wo ist die unverwechselbare Stimme von Skye?
Das Rätsel in meinem Kopf löste sich auf, als ich das Booklet näher betrachtete. &quo...
jf - Wer kennt es nicht, das Debut-Album "who can you trust?", mit welchem Morcheeba gleich ein Kultalbum für die Trip-Hop-Szene hingelegt hat. Ihr zweites Werk "big calm






