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Gurtenfestival 2008 - Ein kurzer Rückblick

Posted in Festival by jacques on July 21st, 2008

Auch wenn vielerorts schon seit einigen Jahren die abnehmend Qualität des Gurtenfestivals beklagt wird, war zumindest für Fans von elektronischer Musik das Berner Festival in den letzten Jahren immer eine Reise wert. So spielten im letzten Jahr unter anderem die Young Gods, Lunik, 2raumwohnung, Filewile und Morphologue. Dieses Jahr sah es leider auch in diesem Bereich eher düster aus und nur die Chemical Brothers, MiNa und Mich Gerber und die Genfer Trip-Hop-Truppe Aloan boten OOS-Sound. Da deshalb wohl einige Leser dieses Blogs das Festival verpasst haben, hier ein kurzer Überblick, was die zuhause gebliebenen zu Recht oder zu Unrecht verpasst haben:

Bestes Konzert

Wenig überraschen vermochten mich die Chemical Brothers am meisten in den Bann zu ziehen. Dass man sich vielleicht ein engagierteres Publikum wünschen könnte, war angesichts der überwältigenden Visuals schnell vergessen. Das Bild, unter anderem bestehend aus einer grossen Leinwand und Lasern, und der Ton passten bestens zusammen. Jeder Beat, jede Bassline wurde von den Visuals umgesetzt, meist auch recht originell. Höhepunkte waren ein genial umgesetztes “Believe”, bei welchem religiöse Gebäude aus einem Plan via 3D-Gitter-Modell zum Leben erweckt wurde und die Zugabe mit “Block Rockin’ Beats”. Gespielt wurde ein Best-Of durch alle Alben, wobei die neueren mehr gewichtet wurden und vor allem Tanzbares auf dem Programm stand. Dass für mich das Ganze ein bisschen zu houselastig war, sei hier als kleiner Kritikpunkt noch angeführt.

Positive Überraschungen

Obwohl mein Besuch der Frank-Zappa-Statue in Vilnius schon fast meine gesamte Frank-Zappa-Kenntnis ausmacht, besuchte ich nicht ohne Hoffnung das Konzert des Sohnemanns unter dem Label „Zappa Plays Zappa“. Mit seiner musikalisch sehr begabten Band, darunter Frank Zappas alter Weggefährte Ray White, liess Dweezil Zappa die sehr ausgedehnten Stücke seines Vaters auf ein Publikum los, das, bestehend vor allem aus jungen Leuten, kaum einen der Songs je gehört hatte. Trotzdem bewegte sich dieses begeistert zu den ausgeklügelten Rhythmen, beklatschte die ausgedehnten Soli und ein grosser Teil blieb trotz des anschliessenden Züri-West-Konzertes auf der Hauptbühne bis zum Ende. Bemerkenswert war auch, wie vielseitig begabt die Musiker von Dweezils Truppe sind. Alle, auch Drummer und Keyboarder, übernahmen grössere Vocal-Parts und die beiden Keyboarder spielten nebenbei noch Trompete und Sax.

Überraschend gut war auch das Konzert der Hitparadenstürmerin Amy Macdonald. Auch wenn der Publikumsansturm in der Zeltbühne so gross war, dass ein wirklich entspanntes Konzert wegen dem ständigen Geschubse nicht möglich war, überzeugte die Schottin mit ihrer wirklich guten Stimme und einer Songauswahl, die nicht nur aus billigen Abklatschen der Hits bestand.

Eine letzte positive Überraschung waren die Beautiful Girls. Die Dreimanntruppe aus Australien bot einen gelungenen Mix aus Reggae, Rock und Pop und liess den Songs viel Zeit mehrere Steigerungen zu durchlaufen. Hier wurde wieder einmal gezeigt, wie man durch geschickte Streckung der Songs diese doch deutlich live-tauglicher machen kann. Der zu genüge vorhandene Platz konnte gut zum Mittanzen benutzt werden.

Viel mässiges

Neben den oben erwähnte sehr gelungenen Konzerten und einigen ebenfalls ansprechenden Darbietungen wie die der Kaiser Chiefs, von Klee oder von Ben Harper wurde auf dem Gurten viel Mittelmass geboten. So zeigte KT Tunstall eine sehr saubere und glatte Popshow, verschwendete ihre eigentlich gute Stimme an langweilige, ewig gleich klingende Lieder und festigte so meine nach Amy Macdonald ein wenig abgebauten Vorurteile gegen Hitparadenmusik wieder ein wenig. Auch HIM scheint seine besten Tage hinter sich zu haben und Ville Valo demontierte die Schwermut seiner Songs schon alleine mit seinen Blödeleien und seinem Gegrinse. Paolo Nutinis Mischung aus Country, Folk und Rock’n'Roll traf meinen Geschmack ebenfalls nicht annähernd. Nicht unerwartet kam, dass mir die Musik von Herbert Grönemeyer nicht zu gefallen vermochte. Ihm sei aber zugute zu halten, dass sein Auftreten doch einen gewissen Charme hatte und angenehm uncool und unzeitgemäss wirkte, was sich insofern bezahlt machte als das Publikum auch in den hinteren Reihen noch mitmachte.

Auch wenn das Wochenende auf dem Gurten dank einiger Überraschungen doch als gelungen bezeichnet werden kann, hoffe ich doch sehr, dass das Festival nächstes Jahr wieder zu alten Tugenden zurückfinden und wieder vermehrt elektronische Musik auf dem Programm steht. Gurtenfestivalmitarbeiter, welche diesen Blog lesen, sei mitgeteilt, dass Massive Attack und Archive wohl noch vor dem nächsten Sommer ein neues Album veröffentlichen werden.

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9 comments to " Gurtenfestival 2008 - Ein kurzer Rückblick "

  1. cozmonaut says:

    bzgl. Visuals von The Chemical Brothers fand ich Saturate auch Höhepunkt-artig!! Kügelchen schweben in Zeitlupe durch die Lüfte und explodieren in einer Art riesigem “Farbfleck”… cool :)

    July 21st, 2008 at 21:07

  2. jacques says:

    Stimmt, ich fand die Phase Roboter (Under The Influence, oder?) - explodierende Farbflecken (Saturate) - Tempel (Believe) als ganzes auch sehr stark, sowohl von den Visuals als auch von der Musik her.

    July 22nd, 2008 at 11:07

  3. cozmonaut says:

    Yes Bruder! Die Roboter warn freaky! :) Am Southside war die Setlist beinahe die selbe… möchte am liebsten gleich nochmals… “ACHTERBAAAHHHN” :)

    July 22nd, 2008 at 19:07

  4. susanne meier says:

    hässliche Männer schreiben über Ville Valo, ein
    running gag
    gute besserung!!!

    July 23rd, 2008 at 10:07

  5. grid says:

    @susanne: Den schnall’ ich jetzt nicht.

    July 23rd, 2008 at 11:07

  6. jacques says:

    Ich nehme mal an, dass Susanne bezüglich des HIM-Konzertes eine andere Meinung hat als ich und meine negative Beurteilung der Tatsache zuschreibt, dass ich neidisch auf Viles Aussehen bin (so wie man als Mann die BSB nicht gut finden kann).

    Da ich alles andere als ein HIM-Kenner bin, würde mich deine Kritik des Konzertes sehr interessieren, Susanne!

    July 23rd, 2008 at 12:07

  7. cozmonaut says:

    loool, achtung ville vallo fan!? dä vallo isch ä gruusigi schwuchtle ^^ und ich bin än iibildete mr.schweiz us züri, bo! bo! bo! whos poppin? :P

    July 23rd, 2008 at 19:07

  8. Patrik says:

    danke für die erwähnung. wir wären mit morphologue dieses jahr sehr gerne mit der live-band mit von der partie gewesen, sollte aber nicht sein. nächstes jahr vielleicht? ;)

    July 27th, 2008 at 20:07

  9. +++Darkfer+++ says:

    Sere el unico q hable español pero le dejo esto especial a ville si es q lo lee….

    Solo digo que para conocerlo se me hace dificilisimo…

    Y ya q piensa separarse del grupo ,,, es una lastima bueno quisiera q viniera a venezuela, maracaibo al lugar del sol amado…. donde acen muchos conciertos o a caracas… al menos para verlo porque para hablar es dificilisimo…. jjjejej

    ese es mi sueño y yo digo q si tengo la oportunidad e hablar con el… lo unico q le pediria q fueramos a echar verga por todo maracaibo ir a rumbiar y echar vainas por ayi q si joder y beber algunos tragos….

    bueno eso es todo …. hasta luego solo me despido y le envio fuerts habrazos a ville valo… de parte de su pana jhoander fernando piñero beltrán….

    August 20th, 2008 at 07:08

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