Archive for the Festival category
Matthew Herbert am Shift Festival 2010
by grid on August 31st, 2010
Eben ist es rausgegangen, das Mail mit den Detailinformationen zum diesjährigen Shift Festival im Dreispitzareal Basel. Da, wo uns Q-Bert und Strotter Inst. vorletztes Jahr entzückte und Cluster und Hebden & Reid letztes Jahr leider nicht ganz überzeugen konnten, da werden auch dieses Jahr wieder grosse Namen auf der Bühne stehen.
Einer dieser Namen ist sicher Matthew Herbert, über den auf out-of-space.ch schon einiges berichtet wurde. Er wird am Freitag Abend einen Auftritt geben, bei dem er Samples von einem früheren Konzert vom Frankfurter Club Robert Johnson verwendet und sich so quasi selbst recycelt. Auch am Freitag ist zudem Bruno Spoerri, ein Elektronikkünstler der ersten Stunde, zusammen mit Joy Frempong zu sehen. Joy (auf out-of-space.ch z.B. auch bekannt durch ihre Zusammenarbeiten mit Filewile) wird zudem mit ihrem Projekt Oy am Donnerstag das Festival eröffnen. Abgeschlossen wird der Freitag vom britischen DJ Andy Votel.
Am Samstag wird das Moriz von Oswald Trio zu Gast sein, bestehend aus Moriz von Oswald (Basic Channel, Maurizio, Rhythm&Sound), Max Loderbauer (Chica and The Folder, Sun Electric, NSI) und Vladislav Delay (Luomo, Uusitalo, AGF/Delay), allesamt Pioniere der Berliner Szene.
out-of-space.ch wird sicher wieder vor Ort sein um von diesem immer wieder nicht nur wegen der Musik sehr sehenswerten Festival zu berichten.
Mehr Informationen: http://www.shiftfestival.ch
(Bild: matthewherbert.com)
Bad Bonn Kilbi 2010: Ein kleiner Rückblick
by jacques on May 30th, 2010
Heute Morgen ging in Düdingen die schönste Kilbi des Landes zu Ende. Arbeitsbedingt verpasste ich leider den einen oder anderen potentiell interessanten Act der zwanzigsten Bad Bonn Kilbi, wobei ich vor allem das Fernbleiben beim Auftritt von Richard D. James bedaure – obwohl hier die Einschätzungen sehr weit auseinandergehen und ich von „enttäuschend“ bis „überragend“ das ganze Spektrum an Attributen zu hören bekam. Auch beim verpassten Auftritt von Hot Chip und bei einigen anderen Konzerten waren die Meinungen sehr uneinheitlich, was, so denke ich, unter anderem der oft unterdurchschnittlichen Abmischung auf der Zeltbühne zuzuschreiben ist, etwas, was nicht alle Musikkonsumenten gleich stört und auch bis zu einem gewissen Grad ortsabhängig ist.
Meine unbestrittenen Highlights waren die beiden Krautrockauftritte von Neu! und Beak>. Da Klaus Dinger leider vor zwei Jahren verstarb, wurde Michael Rother, das nun letzte lebende Neu!-Mitglied, bei seiner Darbietung von Neu!-Klassikern vom Sonic-Youth-Drummer Steve Shelley und von Aaron Mullan (Tall Firs) begleitet. Die hochkarätigen Musiker, die sehr eingespielt wirkten, und insbesondere Shelley, der die repetitiven Dinger-Beats gekonnt umsetzte, sorgten für ein sehr sauberes Klangbild, sodass all die kleinen Veränderungen und die gekonnten Steigerungen der doch schon über dreissigjährigen Originale ihre Wirkung optimal entfalten konnten. Als jemand, der Neu! bisher nur ab Platte kannte, begriff ich hier erstmals wirklich, dass es sich hierbei eigentlich um Live-Musik handelte, die vieles von Minimal bis Drum’n'Bass vorwegnahm.
Mit dem Projekt Beak> vertieft Portisheads Geoff Barrow zusammen mit Matt Williams und Billy Fulle die Krautrockelemente, die bereits auf „Third“ und dem von ihm produzierten Album der Horrors angedeutet wurden. Obwohl Neu! sicher eine wichtige Inspiration sind, zeigten sich im direkten Vergleich doch gewisse Unterschiede. So wirken die Titel von Beak> deutlich skizzenhafter und chaotischer, was durchaus einen rauen Reiz ausübte. Live wurde gegenüber dem Album der oft eher gemurmelte, wie aus der Ferne erklingende Gesang mehr ins Zentrum gestellt, was sicher keine schlechte Entscheidung war. Die ab CD manchmal ein bisschen gar kopflastige Musik wirkte im Konzert erstaunlich tanzbar und durchaus zugänglich. Der Abschluss mit einer Motorik-Version des „Hair“-Titels „Let The Sunshine In“ empfand ich auch als sehr gelungen.
Neben diesen beiden Höhepunkten gefielen mir auch der energiegeladene Auftritt der Noise-Rocker von HEALTH, auch hier war die Perkussion das eigentlich dominierende Element, der leider nur dreissigminütige experimentelle Auftritt vom Sonic-Youth-Gitarristen Lee Ranaldo und die Zusammenarbeit von Koch-Schütz-Studer und den Young Gods sehr. Da ich die letzten Young-Gods-Alben nie als durchgehend gelungen empfand, würde es mich freuen, wenn man beim nächsten Album die kreative Energie dieses Zusammenspiels spüren könnte.
Trotz arbeitsbedingter Müdigkeit, einem oft viel zu vollen und somit zu heissen Haus und einiger Abmischprobleme, war die Kilbi wieder einmal ein gelungener Start in den Festival-Sommer.
Shift Festival 2009 in Basel – Bilder vom Samstag
by grid on October 25th, 2009
Und hier schon mal Bilder vom Samstag beim Shift-Festival in Basel. Ein Konzertbericht von Papiro, Welttraumforscher und Cluster feat Dorit Chrysler gibt es hier zu lesen.
Shift-Screens am Schaulager:
Papiro:
Welttraumforscher:
Cluster feat. Dorit Chryser:
Shift Festival 2009 in Basel – Bilder vom Freitag
by grid on October 24th, 2009
Bilder vom Freitag beim Shift-Festival in Basel.
Den Konzertbericht zu Kieran Hebden (Four Tet) und Steve Reid findet man hier:
http://www.out-of-space.ch/konzertberichte/Kieran+Hebden+und+Steve+Reid/Shift+Festival+Basel
La Prise:
Steve Reid:
Kieran Hebden:
Steve Reid und Kieran Hebden:
Musikfestwochen Winterthur: Bilder von Lamb
by grid on August 31st, 2009
Am Samstag, 29.08. ging einer der drei Konzertabende über die Bühne, denen wir mit unserem Special (siehe Hauptseite) besondere Aufmerksamkeit widmen. An einem Abend gab es die ehemalige Sängerin von Tricky, Martina Topley-Bird, Morcheeba und Lamb zu sehen.
Martina Topley-Bird überraschte vor allem durch das Setup: Nur sie selbst am Fender Rhodes (und manchmal an der E-Gitarre), und der blonde, grinsende Typ an den Drums, mit allen möglichen, wie aus einem Flohmarkt zusammengesammelten Percussionsinstrumenten. Die meisten Songs waren sehr entspannt, minimalistisch und bewegend, wie zum Beispiel das The Stranglers Cover “Golden Brown“. Einen Eindruck vom ersten Song “Lying” kann man sich auch hier holen.
Die neue Sängerin von Morcheeba hingegen ist wohl eher Geschmackssache. Vom Ausdruck der Stimme ist Skye natürlich nur schwer zu erreichen, dafür gab es von Manda diverse Tanzeinlagen zu sehen. Die Klassiker der Band aus der Big Calm-Ära kamen eigentlich recht gut rüber, die neueren Songs klangen manchmal ein wenig banal.
Zum Ende des Abend erschien dann Lamb, die sich nach fünf jahren Soloarbeit wieder zusammengefunden haben. Obwohl es keine neuen Songs zu hören gab, konnte die Band nach anfängliche Schwierigkeiten des Mischers in Sachen Power an die alten Zeiten anknüpfen. Zu hören gab es Songs von allen Alben, inklusive des nicht unbedingt tanzbaren “Cotton Wool” von ihrem erstling “Lamb“. Und die gewaltige Publikumsnähe war nicht nur von der Bühne aus spürbar, sondern kam auch daher, dass Lou Martinas Konzert mit dem restlichen Publikum verfolgte und Andy sich im Stage-Diving versuchte (siehe Bilder), und nach dem Konzert beim Bühnenausgang noch etliche Hände schüttelte und Küsschen verteilte.
(Pictures by René, thanks a lot!)
Melt! 2009
by jacques on July 23rd, 2009
Gleichzeitig mit dem Gurtenfestival fand am letzten Wochenende in unserem nördlichen Nachbarland das Melt! Festival statt, welches auch einige Schweizer anzog – darunter Luca Bruno, welcher im www unter dem Pseudonym DerZensor aktiv ist. Hier seine Eindrücke von den Darbietungen Röyksopps und Aphex Twins:
Das MELT! Festival brachte dieses Jahr seine mittlerweile zwölfte Ausgabe über die Bühne. Dieses Festival findet jährlich auf der Ferropolis, einer stillgelegten Tagebaumine bei, bei Gräfenhainichen (rund eine Stunde von Leipzig entfernt) statt. Jedes Jahr überzeugt das Festival mit einem äusserst eklektischen Line-Ups, welches viel elektronische Musik bietet aber auch für den Indierock-Freund zahlreiche Leckerbissen bereithält.
Röykopp, welche zur besten Zeit auf der Hauptbühne vor sehr zahlreich erschienenen Publikum auftreten durften, punkteten beim Publikum insbesondere durch die gut abgestimmte Setlist; Den Löwenanteil dieser Setlist nahmen die Songs des aktuellen Albums Junior ein, allerdings kamen selbstverständlich auch zahlreiche Klassiker zum Zug. ‘What Else Is There?’ und ‘Poor Leno’ erhielten wohl die ekstatischste Rezeption von der Masse. Leider verzichteten Röyksopp trotz des riesigen Videoscreens auf Visuals, was die Bühnenperfomance zeitweise ein wenig mager aussehen liess. Besonders dann, wenn Anneli Drecker, die auf der aktuellen Festivaltour bei vielen Songs die weiblichen Vocals beisteuert, nicht auf der Bühne stand. Es ist nur mässig interessant, 2 Typen zuzuschauen, wie sie sich hinter allerhand Keyboards und Synthesizer verstecken.
Ebenfalls hinter einem DJ-Pult und zahlreichem anderen Equipment verschanzten sich ein paar Stunden später dann die eigentlichen Headliner des Abends: Aphex Twin, der exklusiv zusammen mit Florian Hecker auftrat. Aphex Twin dürfte den Meisten bekannt sein; Florian Hecker – nicht zu verwechseln mit Tim Hecker, der in ähnlichen musikalischen Gefilden beheimatet ist – ist ein Laptop-Artist aus dem Hause Mego, das wiederum bekannt für Veröffentlichungen von Musikern wie Fennesz oder Jim O’Rourke ist. Nach einem rund zehnminütigen Intro begann ihr Hauptset. Man wurde fortan mit einer Mischung aus Breakcore, IDM und Glitch beschallt, alles ausgestattet mit sehr viel Bass. Leider langweilten die Beiden mit diesem äusserst zerfahrenem Set; Auf 5 Minuten Beatgewitter folgte minutenlanges Gefrickel. Die langweiligen Soundcollagen der Beiden wussten leider nicht zu überzeugen und besonders der fehlende Spannungsaufbau machte den Auftritt eher ungeniessbar.
Den kompletten Bericht und andere Meinungen zum Festival gibt es im Indienet.
Gurtenfestival 2009: Samstag und Sonntag
by jacques on July 20th, 2009
Neben Tricky (Konzertbericht siehe hier) habe ich im Gurtensumpf am Samstag und Sonntag noch folgende Konzerte besucht:
Es wäre wohl einfach sich über Silbermond lustig zu machen. Nichts liegt mir aber ferner als das. Die Band um Sängerin Stefanie Kloss machte einen überaus sympathischen Eindruck, versuchte, sogar auf schweizerdeutsch, immer in Kontakt mit dem Publikum zu bleiben und spielte ihre mir weitgehend unbekannten Songs mit viel Elan.
Auch die darauf folgenden Razorlight überraschten mich positiv. Der Ex-Libertine Johnny Borell präsentierte das meiner Meinung nach teilweise etwas seichte Songmaterial schnoddrig, aber durchaus stilvoll. Die Lieder wurden dabei immer wieder geschickt in die Länge gezogen, zum Beispiel indem zusätzliche Gitarrensoli angehängt wurden. Zudem merkte man Borell auch sein Liebe zu Dylan und Morrison an, an die er, bewusst oder nicht, zuweilen erinnerte. (Meine Freundin meint, dass weder die Songs seicht seien, noch J.B. an Dylan erinnere.)
Oasis liess mich dagegen kalt. Ich muss allerdings vorausschicken, dass ich mit dem Werk der Briten nicht sonderlich gut vertraut bin und es auch nur bedingt mag – 1995 hörte ich lieber „Maxinquaye“ als „(What’s The Story) Morning Glory?“. In einer von mir als durchaus stilvoll empfundenen gelangweilten, beinahe abwesenden Art wurde ein mit Hits wie „Wonderwall“ oder „Don’t Look Back In Anger“ garniertes, knapp hundertminütiges Konzert präsentiert. Ich jedenfalls liess mich von der Band anstecken und langweilte mich ebenfalls.
Nach dem Höhepunkt mit Tricky hörte ich mir noch die australischen Pendulum an. Den Wechsel von den Drum’n'Bass-Produzenten zum gitarrengetriebenen Live-Act hatte ich bisher verpasst. Fand ich ihre mit zugänglichen Synthie-Melodien versetzten DnB-Tunes in einem DJ-Set als Auflockerung, Abwechslung oder endgültige Aufforderung zum Schwitzen ganz in Ordnung, konnte ich sie in neuem Gewand kaum aushalten. Während Morph am Vortag zwar auch immer wieder massive Bässe oder simple Melodien spielte, aber viel Zeit in den Aufbau und in Variationen investierte, war die Show von Pendulum eine einzige Aneinanderreihung von vermeintlichen Höhepunkten. Auf mich wirkte dies wie eine immer auf voller Lautstärke abgemischte CD. Die restlichen Besucher fanden das Konzert aber „geil“ oder „jenseits“. Ich scheine eine Spassbremse zu sein.
Am Sonntag hörte ich mir nur zwei Acts an: Travis und die Kings Of Leon. Travis erschien leider 25 Minuten verspätet. Mit einer sympathischen Show, die das Publikum bis zuhinterst zu „Why Does It Always Rain on Me?“ mithüpfen liess und den neuen Songs, die, so mein erster Eindruck, eine positive Weiterentwicklung darstellen, vermochten sie mich zu begeistern. Obwohl immer sehr respektvoll, liess es sich Fran Healy nicht nehmen Witze über die als Ballons missbrauchten Kondome oder die Bärte der von ihm geschätzten Kings Of Leon zu machen. Die Kings lieferten dann zwar eine grundsolide Show ab, die auch alle ihre Hits beinhaltete, trotzdem sprang hier der Funke nie zu mir über – vielleicht war ich auch schlicht zu müde dazu.
Auch wenn nicht jeder Auftritt wirklich gelungen war, blicke ich auf eine ganz und gar zufriedenstellende Ausgabe des Gurtenfestivals zurück. Wenn nur ein anderer Biersponsor als Heineken gefunden werden könnte…
Gurtenfestival 2009: Tricky
by jacques on July 19th, 2009
Verstörend, dunkel, verrückt, intensiv. Tricky war ein Diktator, ein Priester, ein Gejagter, aber auch, und dies ist bei seinen Auftritten nicht selbstverständlich (siehe hier), ein Entertainer. Zu einem Track ab Band und in vollkommener Dunkelheit betraten Adrian Thaws und seine Band die Hauptbühne und während einiger Minuten bestand die einzige Handlung des Briten darin das Publikum mit einer Taschenlampe abzusuchen. Urplötzlich wurde die Musik abgebrochen, die Bühne wurde beleuchtet, natürlich nicht wirklich hell, und die Band begann zu spielen. Tricky drehte dabei seinen Rücken zum Publikum und tanzte schlangenartig, seine Sängerin, ich glaube es war Francesa Belmonte, war, und dies sollte an diesem Abend ihre Hauptaufgabe sein, damit beschäftigt das Geschehen mit einer kleinen Videokamera festzuhalten. Für „Puppy Toy“ ab der neuen CD “Knowle West Boy” drehte sich nun auch Thaws zum Publikum um und mit dieser bluesigen Duett begann das eigentliche Konzert.
Wie dieses Konzert wirklich aussehen sollte, kündigte sich beim zweiten Titel, „Past Mistake“, an. Begann der mit einem den Gurten erschütternden Bass unterlegte Titel noch wie ab dem Album, übernahm nach dem eigentlichen Ende Thaws das Mikrophon. Dieses schlug er sich nun immer wieder, wie bei einer Selbstgeisselung, gegen seine entblösste Brust und predigte mit einer an Faithless’ Maxi Jazz erinnernden Ernsthaftigkeit genuschelte Worte ins Publikum. Bei den kommenden Liedern taute der Bristoler noch mehr auf: Mal umarmte er einen Kameramann und führte kurzfristig dessen Kamera, mal liess er sich vom Publikum auf den Händen tragen. War er in einen Song nicht sonderlich involviert, wie dies zum Beispiel beim Klassiker „Black Steel“ der Fall war, stolzierte er auf der Bühne herum, gab seinen Musikern Anweisungen oder schüttelte bei ausgestreckter Zunge seinen Kopf.
Die wirkliche Darbietung begann allerdings erst richtig 45 Minuten vor Schluss. Die Sängerin hatte kaum das auf Massive Attacks „Karmacoma“ basierende „Overcome“ begonnen, wurde dieser vom Publikum eigentlich begeistert aufgenommene Song abrupt abgebrochen und Tricky schnappte sich beide Mikros. Nun folgte eine sehr freie Version von “Vent”, die den Rest des Konzertes füllen sollte. Dabei wechselten sich Passagen, bei denen Tricky zu zurückhaltender Begleitung das Wort „Pray“ mantraartig immer wieder repetierte und Passagen, die richtiggehend explodierten und die Band zu vollem Einsatz zwangen, ab. Dabei wurden die Explosionen immer grösser und verherender – wie eine sehr, sehr ausgedehnte und kompromisslosere Version von Archives „You Make Me Feel“. Tricky ging immer mehr im Titel auf, warf gelegentlich, wegen dem Effekt oder aus emotionaler Ergriffenheit, das Mikrofon mit lautem Knall auf den Boden, richtete sich auffordernd ans Publikum oder schlug sich mit beiden Mikros gegen die Bust. Zum Ende hin kniete er sich wie zum Gebet auf den Boden und plötzlich begannen Tränen aus seinen Augen zu kullern. Aus diesem Trancezustand konnte er sich nie mehr ganz lösen und als er mit dem langen Mikrofonkabel auch die beiden Mikrofonständer umgeworfen hatte, wurde der Auftritt nach etwa 75 Minuten beendet.
Verstörend, dunkel, verrückt, intensiv! Gut? Ich meine ja.
Gurtenfestival 2009: Morph
by jacques on July 18th, 2009
Gestern habe ich mir wegen dem kaum je eine Pause einlegenden Regen, der die Gurtenwiese langsam in eine Sumpflandschaft verwandelte, und mangels anderer interessanter Acts nur den Friendly-Fires-Ersatz Morph angeschaut. Morph, dies sei vorweg genommen, war sicher mehr als ein würdiger Ersatz für die Synthie-Popper. Die Australier spielten live – mit Drums, Keyboard, Bass, Geige und Gitarre – von elektronischer Musik inspirierte Sounds, wobei von Big Beat über Drum’n'Bass bis Goa sehr viele Genres zumindest angespielt wurden. Beeindruckend war sicher, wie präzise der Drummer Ben Crook die teils sehr schnellen Beats umsetzten konnte. Laut eigenen Angaben ist Crook von der Drumming-Kultur der australischen Byron Bay Area beeinflusst. Auch die Spielfreude der Band, mit der die meist recht ausgedehnten, mit seinen Improvisationen an Jazz erinnernden Kompositionen präsentiert wurden, war ansteckend. Man merkte den Australien richtiggehend an, dass sie hungrig nach Festivalauftritten sind. Geschickt wurde für das Publikum, das sich wohl vor allem wegen dem strömenden Regen zur Zeltbühne begeben hatte und in dem die wenigsten Morph kannten, Prodigys Hit “Breath” eingebaut, was die Anzahl Tanzender schlagartig vervielfachte. Im Gegensatz zu vielen anderen Bands am diesjährigen Gurtenfestival, die dazu neigten ihre Zeit nicht annähernd auszuschöpfen, musste Morph mittels eines Schildes ermahnt werden, die Show endlich abzubrechen, was sie nur widerwillig taten.
Wer Live-DnB wie à la Roni Size oder London Electricity mag, dürfte auch an Morph gefallen finden.
Homepage: http://www.morphmusic.org
Bild: http://www.morphmusic.org
Gurtenfestival 2009: Der Donnerstag
by jacques on July 17th, 2009
Altersgemäss reiste ich diesmal mit der Gurtenbahn ans Festival, den Aufstieg zu Fuss überlasse ich gerne jüngeren Festivalbesuchern. Obwohl mich der Berner in mir sowieso jedes Jahr ans Gurtenfestival zwingt, freute sich diesmal auch der Musikfan in mir – das Programm war mehr als nur solide. Allerdings sollte dieser zuerst einmal enttäuscht werden. The Gaslight Anthem, von der Berner Zeitung als Geheimtipp bezeichnet, sahen nicht nur äusserlich wie dümmliche College-Studenten aus einem amerikanischen Teenie-Film aus, auch die Musik war eher simpel. Die Perkussion, wenn auch handwerklich gut vorgetragen, war etwas vom abwechlongslosesten, was ich je gehört habe und der Aufbau der Songs, welche meist über einen – daher wohl der Name der Band – hymnischen, zum mitgrölen geeigneten Refrain verfügten, war nicht sonderlich vielseitig.
Von Bloc Party erwartete ich, da ich sie schon einmal live gesehen und zudem eher negatives gelesen hatte, live nicht allzu viel. Obwohl mir ihr Songmaterial, auch das neue, durchaus zusagt, sollte sich meine Vorahnung leider bestätigen. Das Hauptproblem scheint zu sein, dass sich die Band einerseits immer mehr in eine elektronische Richtung entwickelt und mittlerweile näher bei The Prodigy als bei Franz Ferdinand ist, andererseits aber mit zwei Gitarren, einem Bass und einem Schlagzeug auftritt. Obwohl ein Bandmitglied gelegentlich an ein kleines Keyboard wechselte, lief relativ viel ab Band, was sich für eine Live-Darbietung schon nur deshalb als störend erweist, als sich die Band einer gewissen Flexibilität beraubt. Zudem ist der Sänger Kele Okereke alles andere als ein geborener Entertainer. Zwar bemühte er sich redlich mit dem Publikum in Kontakt zu treten, allerdings wirkten all die Rockstargesten („How are you, Gurten!“) eher aufgesetzt. Authentisch wirkte der Engländer nur, wenn er mit einzelnen Menschen aus dem Publikum kommunizierte. Leider war auch seine Stimme nicht immer zu vernehmen – ob technische Probleme dafür verantwortlich waren oder ob er schlicht gewisse Passagen nicht sang, ist mir unklar. Vieles wirkte auch ein bisschen abgehackt. Zwar wurde das Konzert, auch wegen dem Einbruch der Dunkelheit, gegen Ende eher besser, vor allem die wuchtvolle “Mercury”-Version gefiel mir, als es aber keine Zugabe gab, war ich eher erleichtert.
Eine positive Überraschung war der Auftritt der ebenfalls britischen White Lies. Mit schrammenden Gitarren und dem Mut zu grossen Gesten und zugänglichen Melodien wurden vielschichtige von New Wave inspirierte Songs aufgetischt. Auch die Stimme des Sängers war sehr überzeugend und als noch eine ganz gelungene Version von Portisheads „The Rip“ vorgetragen wurde, war ich endgültig überzeugt. Ebenfalls als gelungen empfand ich Franz Ferdinands daran anschliessende Darbietung auf der Hauptbühne. Hierzu trugen die immer auf die Musik abgestimmten Visulas auf Grossleinwand sicher viel bei.
Mein persönliches Highlight war aber der Auftritt von Röyksopp. Mit Bass, viel Bass und dem instrumentalen Track „Röyksopp Forever“ ab dem neuen Album „Junior“ wurde das Konzert gestartet. Dominante Basstöne blieben eine Konstante der Show, zudem wurden sämtliche Titel auf Tanzbarkeit getrimmt. Empfand ich dies eigentlich für ein Festival, zumindest bei den teilweise nur bedingt meinem Geschmack entsprechenden Titeln von „Junior“, als eine sinnvolle Entscheidung, hätte ich mir bei Titeln mit feineren Passagen wie “Alpha Male“ ein bisschen weniger Bass gewünscht. Zudem machte einem “Alpha Male“ auch bewusst, dass ein Festival nicht der optimale Ort ist, um Röyksopp zu bewundern, hörte man doch das Publikum sehr gut schwatzen und johlen. Dies sind aber mein einzigen Kritikpunkte an dem Konzert, welches zwar eher neuere Songs beinhaltete aber auch Klassiker wie “Eple“, “What Else Is There?“ oder “Poor Leno“ eingeflochten bekam. Als Sängerin war Anneli Drecker am Start, welche auch die auf dem Album nicht von ihr gesungenen Songs mit Leben zu erfüllen vermochte. Für “Tricky Tricky“, im Original mit Karin Dreijer Andersson, setzte sie sich sogar eine Maske auf, was doch ein bisschen The-Knife-Atmosphäre erzeugte. Auch Svein Berge verkleidete sich als insektenartiges Alien, was durchaus zu passen schien. Als Zugabe gab es noch ein bisschen elektonische Tanzmusik der beiden gutgelaunten Norweger. Von Röyksopp könnte Bloc Party noch viel lernen bezüglich der Präsentation von elektronischen Klängen.
Ob ich morgen wieder einen Bericht posten werde, steht noch in den Sternen. Da nach Groove Armada nun auch die Friendly Fires abgesagt haben, ist noch unklar, ob ich heute den Gurten überhaupt erklimmen werde.





















