Das Jahr 2010: Ein Best-Song-basierter Rückblick (und ein möglicher Sampler)

Eigentlich sind wir im Februar schon ein wenig spät, denn das neue Jahr hat auch schon wieder grossartige Alben und Tracks gebracht. Nichtsdestotrotz wollen wir nochmal einen kleinen Rückblick auf das vergangene Jahr wagen.

Dies machen wir für einmal nicht mit einer Kürung der besten Alben des Jahres, sondern mit einer Zusammenstellung von Einzeltracks, die uns speziell aufgefallen sind. Im Forum haben sich einige von uns zusammengetan um einen 2010er Sampler zusammenzustellen. Die Reihenfolge ist im übrigen nicht wertend, sondern eine mögliche Sampler-Tracklist.

01 – Holy Fuck – Silva & Gimes
aus dem Album Latin

Verträumte Elektronik und eine Dampflokomotive als instrumentale Hypnose erinnern an vergangene Chemical Brothers Tage und lassen allerbeste Open Air Stimmung aufkommen – herrlich! Man muss nicht immer das Rad neu erfinden um zu begeistern. [cozmo]

02 – Trent Reznor and Atticus Ross – Hand Covers Bruise
aus dem Album The Social Network

Es war für mich die Überraschung, dass die Musik von Trent in so einem Film so gut funktioniert. Der erste Track zeigt für mich so schön Trents Können: Er schafft es, in einem Track extreme Spannung und gleichzeitig Entspannung aufzubauen. Hier wirkt alles auch extrem fokusiert, ohne Knalleffekte. Insgesamt war es aber schwierig, einen “besten” Track von diesem grossartigen Album auszusuchen. [grid]

03 – Four Tet – Circling
aus dem Album There Is Love In You

Dieser Song trifft wieder jene Stimmung, mit der Kierdan mich vor inzwischen 10 Jahren mit Songs wie “Leila Came Round And We Watched A Video” gefangen genommen hatte. Dieses fein-frickelnde, Mikrobeats und Miniatursamples, Glöckchen, glimmern und wabernde Frauenstimmen… einfach schön. [grid]

04 – Efterklang – Modern Drift
aus dem Album Magic Chairs

Dieser Song hat meine Aufmerksamkeit ab der ersten Sekunde gewonnen! Das elfenhafte Klavier, die sehr emotionale Stimme des Sängers, die erfrischende Rhythmus-Fraktion, es stimmt alles. Das Stück baut sich mit einer wunderschönen Leichtigkeit auf und trägt einen mit einer unglaublich positiven Stimmung davon – und das ohne sich dabei in belanglosen Kitsch zu verfahren.

Die typisch ungewohnte Instrumentierung, die spannende Rollenverteilung, der gewohnt untypische Aufbau von Efterklang Songs… überhaupt das komplette Album Magic Chairs, einfach nur schön! [cozmo]

05 – Oneohtrix Point Never – Returnal
aus dem Album Returnal

Dank (verzerrtem) Stimmeinsatz und einer mäandrierenden Melodie fühlt man sich in die Welt von The Knife versetzt. Trotzdem denkt man nie an ein Plagiat. Wunderschön und verträumt. [Jacques]

06 – School of Seven Bells – I L U
aus dem Album Disconnect From Desire

Die Song-Wahl ist bei diesem Album ein wenig beliebig, da es eher als Ganzes gefällt, wobei die Tracks im Gegensatz zum Vorgänger tendenziell vom treibenden Shoegaze in den intelligenten Pop driften. [wanja]

07 – ITAL TEK – Restless Tundra (feat. Anneka)
aus dem Album Midnight Colour

Leicht überzuckert, stark unterkühlt plätschert dieser Dubstep-Track relaxet nach vorne, ohne langweilig zu sein. Anneka liefert die angenehme stimmliche Abwechslung zu den in diesem Genre leider ein bisschen zu üblichen Vocoder-Schnippseleien. [wanja]

08 – Autechre – Known(1)
aus dem Album Oversteps

Nicht jeder Autechre-Track muss zuerst gedanklich in Einzelteile zerlegt und dann mit höherer Mathematik zu einem Ganzen zusammengefügt werden. Manchmal darf man einfach nur geniessen.
Die ausgefeilte Melodie, obwohl immer wieder verfremdet und klar künstlich erzeugt, wirkt sehr organisch – Kammermusik auf Warp-Art. [Jacques]

09 – Kollektiv Turmstrasse – Schwindelig
aus dem Album Rebellion der Träumer

Ein Album, das sich weder einem klaren Genre zuordnen lässt, noch eine klare Handschrift vorweist, aber mit brillianten, groovenden, doch eher unaufdringlichen Songs und dem gewissen melancholischen laid-back-Feeling zum träumen verleitet. Ich wollte erst das Lied “Heimat” für den Sampler nehmen, aber die Guybrush Threepwood Assoziation hat das Rennen entschieden. [nachtkind]

10 – UNKLE – Follow Me Down (feat. Sleepy Sun)
aus dem Album Where Did The Night Fall

Auch wenn mir das Album als Ganzes nicht in vollem Umfang zusagt, Follow Me Down gehört für mich zu den absoluten Spitzenreitern von 2010! Die Parallelen zu May Day, vom Album War Stories in Zusammenarbeit mit The Duke Spirit, sind unüberhörbar.

Diese psychodelisch, düstere Stimmung, welche an Schamanenrituale und unheimliche Geschichten aus dem Abendland erinnert, entwickelt sich mit Rachel Fannans energiegeladenem Gesang und UNKLE Beats zum Dauerbrenner! [cozmo]

11 – PVT – Timeless
aus dem Album Church With No Magic

Reduziert und repetitiv startend, ganz in der Tradition von Neu! bzw. von Geoff Barrows aktuellen Interpretationen von Neu!, wächst “Timeless” mit Einsatz von Synthies und eingestreuten Samples zu einem hypnotisierenden Monster heran. Trotz allem Bombast verändert sich die im Hintergrund verankerte Melodie nie und gibt auf dem zeitlosen Zahlenstrahl zuverlässig den Takt an. [Jacques]

12 – Benfay – No Thought
aus dem Album Hey, what’s wrong baby!

Wieder einmal eine Schweizer Platte, die mich zu überzeugen wusste (wie letztes Jahr Sinner DC): Dieser Song hier ist schön mit irgendwelchen Klassik-Samples und intelligenten Beats aufgebaut, um in der zweiten Hälfte in einer ausufernden Frauenstimme zum Höhepunkt zu kommen. Musik für jene Träume, in denen man fliegen kann… [grid]

13 -  Trentemøller – Past the Beginning of the End
aus dem Album Into The Great White Yonder

Der obligate Mainstream-Track vom Album, das 2010 die meisten mochten, die sich einen Western-Showdown in einer Industriehalle mit pumpender Bass-Anlage vorstellen können. Üppige Elektronik meets Ennio Morricone. [wanja]

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Die Diskussion zur Entstehung des Samplers findet sich übrigens im Forum.

(Bild Original by gnackgnackgnack /cc by-nc)

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