Review: Benny Tones – Chrysalis

Es geht doch immer wieder schnell: 11 Jahre ist unser Jahrtausend nun schon alt. Das Jahrzehnt des Indie-Rocks und der musikalischen Computer-Revolution ist vorbei. Seitdem ist schon wieder mehr als ein Jahr ins Land gegangen – da ist es an der Zeit, sich einige Fragen zu stellen: Was haben uns die 2010er bis jetzt gebracht? Und wie geht es musikalisch weiter?

Im Rampenlicht des neuen Jahrzehnts standen bis jetzt Bands und Künstler wie Ke$ha, Mumford & Sons, Katy Perry, 30 Seconds to Mars und natürlich die omnipräsente Lady Gaga. Doch die grossen musikalischen Entwicklungen finden oft abseits des Rampenlichts statt – so auch in diesem Jahrzehnt.

Die 2010er werden das Jahrzehnt des Dubstep. Vor zwei Jahren war der Dubstep noch einem kleinen Nischenpublikum vorbehalten, inzwischen ist er vielen ein Begriff. Dubstep-Parties spriessen wie Pilze aus dem Boden. Was schon vor einigen Jahren mit Künstlern wie Burial und Skream begonnen hat, hat sich mit den grossartigen ersten Alben von Mount Kimbie (Crooks & Lovers) und James Blake (James Blake) in den Stereoanlagen der heimischen Wohnzimmer eingenistet und wird auch die nächsten Jahre dort bleiben. Und mit ihnen kam eine grosse Diversifizierung: Vom dumpfen wobble-wobble-Sound der letzten Jahre ist nur der langsame, schleppende Beat geblieben. Was drumherum geschieht, ist vielseitiger denn je und der Begriff Dubstep ist eigentlich längst nicht mehr ausreichend um all die experimentierfreudigen neuen Künstler zu beschreiben.

So ist es auch bei Benny Tones. Angefangen als Tontechniker, hat der junge Neuseeländer, der mit bürgerlichem Namen Ben Horton heisst, soeben sein erstes Album, “Chrysalis“, herausgebracht. Tones selbst gibt als Einflüsse unter anderem Boards of Canada, Flying Lotus und Al Green an. Und so unterschiedlich wie diese Künstler sind, so vielseitig ist auch Tones’ Musik.
Im ersten Lied des Albums, “Aero:soul“, schlägt Tones Trip-Hoppige Töne an, die sich mit ihren sanften Synthies und härteren Beats irgendwo zwischen den frühen Archive und gutem altem Hip-Hop einordnen lassen. Dennoch kling das Lied keinesfalls altmodisch.

On My way“, das zweite Lied, ist typisch für Tones’ Lieder: Musikalisch lässt es sich am ehesten im Bereich Soul einordnen, was aber niemanden abschrecken soll. Hier wird das Arrangement von einem echten E-Bass untermalt, was zusammen mit der Soul-Stimme von Mara Tk., der bei vielen Liedern mitwirkt, dem Lied den Charakter gibt. Dennoch bleibt das elektronische Grundgerüst erhalten.
Insgesamt wird das Album stark von den verschiedenen Sängern und Sängerinnen geprägt. Benny Tones hat mit verschiedenen Leuten zusammengearbeitet, was dem Album gut tut, da die verschiedenen Stimmen jedes Lied einzigartig machen. Das Album ist vielseitig und mit seiner Mischung aus Soul, Hip Hop und vielen elektronischen Elementen gut anhörbar.

Viele werden sich fragen, wo denn jetzt der Dubstep geblieben ist. Tones’ Beats bewegen sich vom Tempo her und auch von der Taktart im Dubstep-Bereich und erinnern immer wieder an Mount Kimbie oder Darkstar. Und obwohl man “Chysalis” nicht als Dubstep-Album bezeichnen kann, hat es doch viele Ähnlichkeiten zu anderen neuen Künstlern, die Dubstep machen. Man kann es vielleicht so sagen: Dubstep ist mehr eine Idee, die man in den Beats und Synthies hört, als ein klare Genre.
Am ehesten hört man den Dubstep in den letzten beiden Liedern des Albums heraus, die ein wenig an die Veröffentlichungen vom Echodub-Label (siehe Kritik) erinnern. “Fire Fly“, hat einen herrlich tiefen, chilligen Beat und wird wieder mit der Tollen Soul-Stimme von Mara Tk. untermalt. Das Endergebnis ist ein guter Trip-Hop-Soul-Dubstep-Song.

Der Höhepunkt des Albums ist jedoch “Chysalis“, das letzte Lied des Albums. Hierfür hat sich Benny Tones noch einmal eine andere Sängerin eingeladen, Sacha Vee. Sie untermalt den Song wunderbar und verstärkt mit ihrer Stimme noch den tollen Spannungsbogen, der das Lied durchzieht. Der wummernde Synthie und der langsame Beat tun ihren Rest, um dem Album einen abschliessenden Höhepunkt zu verschaffen.
Leider hat nicht das ganze Album die Qualität der letzten beiden Lieder, dennoch ist es innovativ und wegweisend für die Musik des neuen Jahrzehnt. Es bleibt nur zu hoffen, dass “Chrysalis” den weiten Weg von Neuseeland in die Wohnzimmer und Clubs Europas findet und nicht unbeachtet bleibt. Denn hörenswert ist es auf jeden Fall.

Es ist nur schade, dass es “The Calling” nicht mehr auf das Album geschafft hat. Der Song ist schon etwas älter und unterscheidet sich stilistisch schon etwas vom Album. Sicher ist er aber einer der besten Songs von Benny Tones. Gott sei dank findet man ihn aber auf YouTube, dazu noch mit einem sehr stimmungsvollen Videoclip: http://www.youtube.com/watch?v=hMgq3cZXXNw

(Jochen)

Rating: ★★★★★★★☆☆☆

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