Review: Archive – Londinium

(23.09.96 / Island)

Archives Erstling Londinium machte schon mit seinem Cover-Artwork, einer Landschaft, in der drei OP-Scheinwerfer einen Satz Leuchtstoffröhren “ansehen”, einen leicht “Pink-Floydigen” Eindruck. Diese Assoziation findet man dann auch in der Musik wieder, hier aber erst noch sehr versteckt. Mehr in diese Richtung geht es erst mit dem übernächsten Album, “You All Look The Same To Me“.

Die Musik von Londinium (was übrigens der lateinische Name von London, der Heimat der Band, ist) steht hauptsächlich auf drei Standbeinen: Der Stimme von Roya Arab, den Raps von Rosko John und den Keyboard-Klängen von Darius Keeler und Danny Griffiths. Letztere sind heute noch die Chefs der Band und prägten den Sound auf allen Alben sehr stark, vor allem mit jenen simlen, schon beinahe quietschenden, von Ton zu Ton gezogenen Klängen (zu hören beispielsweise am Ende von “So Few Words“).

Der Gesang von Roya Arab ist das, was aus diesem Album etwas besonderes macht. Roya, die Schwester von Leila Arab, rutschte eher spontan in die Band und machte laut Aussagen der Band* bei ihrer Vorstellung einen sehr selbstsicheren, individuellen aber auch “gestonedten” Eindruck (“She was very confident, individual and very stoned“). Ihre Gesangsvorführung begann scheinbar mit jenem Fragment, aus welchem später “Darkroom” wurde. Und gerade jener Song ist wohl einer der typischsten für das Album. Zurückhaltende Drum-Samples, Streicher, sanfte Fender-Rhodes-Klänge, Roskos Rap-Einlagen und eben jene verzaubernde Stimme von Roya Arab.

Aber gerade die Rap-Einlagen sind wohl auch der Schwachpunkt des gesamten Albums: Irgendwie passen sie nicht hinein. Ein wenig zu sperrig, zu holprig dahingesprochen sind sie vielmal zu ungehobelt für ihre schönen Gefässe, wie zum Beispiel der Titeltrack “Londinium“. Vielleicht wurde Rosko auch deshalb für das nächste Album, “Take My Head“, nicht mehr aufgeboten (obschon er auf “Controlling Crowds” wieder zu hören ist). Aber auch mit Roya gab es Probleme. Und bei ihr muss man sagen, dass sie für das nächste Album leider nicht mehr aufgeboten wurde. Denn sie gibt dem Album in der Archive Diskographie eine Sonderstellung.

In Songs wie “Nothing Else” oder “Parvaneh (Butterfly)” kann Roya ihre Stimme voll entfalten. Sie singt mit der Dynamik einer Beth Gibbons oder Emiliana Torrini und behauptet sich gegen die sonst fast immer tonangebenden Tasteninstrumente. Am schönsten zum Einsatz kommt ihre Stimme im Track “Headspace“, welcher deswegen wohl auch der Höhepunkt des Albums ist.

Londinium ist schon nur deshalb interessant weil es offenlegt, wie viel des Sounds von Darius Keeler und Danny Griffiths ausgemacht wurde (der grundsätzliche Stil wurde auf allen folgenden Alben beibehalten), aber wie viel mit dem Weggang der beiden Stimmen auch verlorengegangen ist. Und obwohl die Einflüsse der späteren Alben, vor allem bei “You All Look The Same To Me” sich geändert haben, ist Londinium wohl immer noch die “Mottenkiste”, aus der sich Archive in Stilfragen auch heute noch hin und wieder bedienen. Bis auf Roskos Beitrag sollen sie das doch bitte auch weiterhin tun, denn das Album wirkt auch heute noch sehr modern.

Anspieltipps: Headspace, Nothing Else, Parvaneh (Butterfly)

(grid)

*Diese Infos waren in der Bandbiographie auf Archives alter Website zu finden. Diese ist über die Internet-Archivseite Archive.org (welche mit der Band Archive eigentlich nichts zu tun hat), immer noch einsehbar.


Tracks:

  1. Old Artist
  2. All Time
  3. So Few Words
  4. Headspace
  5. Darkroom
  6. Londinium
  7. Man Made
  8. Nothing Else
  9. Skyscraper
  10. Parvaneh (Butterfly)
  11. Beautiful World
  12. Organ Song
  13. Last Five

Rating: ★★★★★★★★★☆

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