(05.11.07 / EMI)Wie jedes mal bei der Veröffentlichung eines neuen Albums der Band von der Insel aus Feuer und Eis, taucht man als Hörer ab in verschiedene Ebenen von Musik, Sprache (existierende und erfundene), Landschaften vor dem inneren Auge und Emotionen, so Dicht gestrickt wie ein isländischer Wollpullover. Auch wird einem jedes mal wieder klar, dass es der Phantasie der gut 300’000 Isländern scheinbar gut bekommt, dass der Glaube an Elfen und Zwerge auf der Insel noch sehr weit verbreitet ist. Kein Wunder, wenn man sich die märchenhafte Landschaft vor Augen führt.
Sehen kann man bei der neuesten Veröffentlichung von Sigur Rós auch tatsächlich etwas, denn einer der drei Teile wird der Film “Heima” sein, eine Dokumentation der Tour von Sigur Rós auf Island im Sommer 2006. Die anderen zwei Teile sind die CDs “Hvarf” und “Heim“, um die es in diesem Review geht.
Hvarf (“verschwunden” oder “Zufluchtsort”)
- “Salka” (Der Name von Georgs Stieftochter), bisher unveröffentlicht
- “Hljómalind” (Auch bekannt als “Rokklagið” (“The Rock Song”)), bisher unveröffentlicht
- “Í Gær” (Auch bekannt als “Lagið Í Gær”) (“Yesterday”), bisher unveröffentlicht
- “Von” (“Hoffnung”), Originalversion auf “Von”
- “Hafsól” (“Sea Sun”), Version der “Hoppípolla”-Single, Originalversion auf “Von”
Heim (“Zuhause”)
- “Samskeyti” (“Extension”), Originalversion auf “( )”
- “Starálfur” (“Staring Elf”), Originalversion auf “Ágætis byrjun”
- “Vaka” (Der Name von Orri’s Tochter), Originalversion auf “( )”
- “Ágætis Byrjun” (“An alright start”), Originalversion auf “Ágætis byrjun”
- “Heysátan” (“The Haystack”), Originalversion auf “Takk…”
- “Von” (“Hoffnung”), Originalversion auf “Von”
Mancher mag vielleicht enttäuscht sein, dass von den elf Songs nur drei Neuveröffentlichungen sind. Zudem klingen die drei neuen Tracks auch wieder sehr ähnlich wie das, was man sich schon von “Ágætis byrjun“, “( )” und “Takk…” gewohnt ist und gehen nicht etwa einen experimentellen Schritt in die Richtung, die beispielsweise mit der EP “Ba Ba Ti Ki Di Do” eingeschlagen wurde. Trotzdem sind die drei neuen sehr schöne und solide Hymnen, die von jenen, welche die drei genannten Alben mögen, sicher auch so geliebt werden.
Das eigentlich bemerkenswerte des Doppel-Albums beginnt jedoch erst ab dem vierten Track von “Hvarf“, also mit den Neuauflagen bereits existierender Songs.
Die Aufnahmen des Debut-Albums mit dem Namen “Von“ dauerten seinerzeit so lange (1995-1997), dass die Band sich damals überlegte, das ganze Album erneut aufzunehmen, da man sich so weit von den urspünglich geplanten Songs entfernt hatte. Stattdessen liess man das ganze Album von verschiedenen Bands remixen, was als “Von brigði” (Recycle Bin) veröffentlicht wurde. So ist es nun kein Wunder, dass sich zwei Neuauflagen von Songs dieses Debut-Albums auf Hvarf/Heim finden. Die zwei Versionen des Songs “Von” lassen sich einiges mehr Zeit als die gehetzte Originalversion, wobei jene Version auf “Heim” nur aus Gesang, Percussion und Streichern besteht.
Der Höhepunkt von “Hvarf” ist jedoch der Song “Hafsól“, dessen Original auch auf dem “Von“-Album und die Neuauflage schon auf der “Hoppípolla“-Single war. Wer schon an einem Konzert von Sigur Rós war, kann sich mit Sicherheit an diesen Song erinnern. Es ist nämlich jener, bei dem der Bassist mit einem Drumstick auf dem Bass eine Rhythmus spielt, der sich so durch den ganzen Song zieht. Die Neuauflage wurde im Vergleich zum Original gekürzt, der Bass als treibendes Element in den Vordergrund gestellt und – nicht unwesentlich – Gesang und Streicher hinzugefügt.
Das Album “Heim” könnte als “Sigur Rós – Unplugged” angesehen werden. Es finden sich hier eigentlich nur Piano, Gitarre, Orgel, Drums, Gesang, und bei “Heysátan” noch einige Bläser. Gewisse dieser Tracks klingen sehr ähnlich wie die Originalversionen, beispielsweise “Heysátan“, andere wie “Ágætis Byrjun” wurden wiederum soweit auf das wesentliche reduziert, dass es sich wirklich um eine “Heim”-Aufnahme handeln könnte.
Auf den ersten Blick bietet das Doppelalbum somit also nicht viel neues, für treue Fans der isländischen Träumer verbirgt sich hinter den schon bekannten Tracknamen jedoch noch einiges an liebevoll neu zusammengestellter, trotzdem bekannter Musik. Auf den Film “Heima” darf man auch gespannt sein, den Trailers nach zeigt auch dieser soviel an schöner Musik und Landschaft, dass man auch wieder geneigt sein könnte, hie und da eine Elfe zu sehen.
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Link zu den “Heima”-Trailers: http://www.heimafilm.com
Tracks:
Hvarf:
- Salka
- Hljomalind
- I Gaer
- Von
- Hafsol
Heim:
- Samskeyti
- Staralfur
- Agaetis Byrjun
- Vaka
- Heysatan
- Von
Rating: 





















