Review: Cobalt – Domestic

(18.02.08 / Urbanseed Records)

Vor gut zwei Jahren veröffentlichte die Westschweizer Formation Cobalt eine erste EP mit vier Songs, auf der auch der Track „Dive“ enthalten war – dieser erhielt 2006 auf Couleur 3 einiges an Airplay und gleichermassen durch Live-Auftritte verbreitete sich ein gewisser Ruf. Auch out-of-space.ch nahm die Band ins Archiv, zumal sich hier Musik zusammenbraut, die jenseits der viel breiter medial transportierten Schweizer Indie-Retorten mindestens ebenso beachtenswert ist.

Nun veröffentlicht Cobalt am 18. Februar den ersten Longplayer namens „Domestic“ – ganz im Stil der bisher bereits bekannten Klänge auf ihrer MySpace-Seite bleiben die Mannen um Reibeisenstimme Romaine Lovey im düsteren Spektrum des Genres. Wer von Electropop Erbauung und Chill-out in Plätschermanier erwartet, sollte sich vielleicht gar nicht erst darauf einlassen.

Düster, aufgekratzt und unerbittlich klingt die Mehrheit der elf Songs, in denen sich um die apokalyptische Stimme eingängige, zuweilen verspielte, sphärische Elektronik türmt. Gerade in einem stampfenden Stück wie “I.O.U.” wird die Dramaturgie gelungen verstärkt durch die Geige, die mal in den Tiefen unterstreicht, mal die Höhen ausmalt, ebenso im getriebenen “Natural Born Lovers“. In “Waterfalls” zeigt sich auch die Fähigkeit zum virtuosen Wechsel zwischen den Stimmungen: Romaine hebt sanft an, um sich dann im Wechselspiel mit der Musik zu duellieren. „Black Noise“ zeigt eine eher ruhige Seite von Cobalt, aber auch hier wird auf die alles umkleidende Düsternis nicht verzichtet.

Am ehesten vernachlässigen möchte der Schreibende vielleicht den Track „Silent Tale“, der mit seinem männlichen Dunckel-Gesang (Air) nicht ganz meinen Geschmack trifft. Im Ganzen aber sind die Songs sehr eigenständig, sodass man fast vergeblich nach Zitiermöglichkeiten unter den bekannten Exponenten des Genres grübelt – besonders die Stimme sucht ihresgleichen. Vielleicht könnte man Cobalts Sound als eine Kreuzung zwischen IAMX (in Sachen Aufgekratztheit), Massive Attack (von der Tiefe und der Verwobenheit her) und Siouxsie and the Banshees (bezüglich stimmlicher Eigenständigkeit) bezeichnen..? Doch lassen wir das lieber.
Insgesamt eine aufwändige und für meinen Gusto gelungene Produktion – das Package kommt mit voller Ausstattung inklusive des Videos zum Track „Where are you“. Allen, die auf die Unerbittlichkeit des in Schwarz-Grau-Tönen gezeichneten Trip-Hops stehen, sei ein Reinhören (hier) dringend empfohlen.

(bf)


Tracks:

  1. The Fall
  2. Natural Born Lovers
  3. I. O. U.
  4. Where Are You
  5. Waterfalls
  6. Black Noise
  7. Endlessness
  8. Mirage
  9. Dive
  10. Silent Tale
  11. Beautiful

Rating: ★★★★★★★★☆☆


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