(13.03.08 / Morr Music) 
Als Isländer mit Múm auf Tour gehen zu dürfen kann positive und negative Effekte haben. Da Múm auf ihr letztes Album “Go Go Smear the Poison Ivy” eher verhaltene Kritiken erhalten haben – nicht zuletzt da die Mitgründerin Kristín Anna Valtýsdóttir zuvor die Band verlassen hatte, war der Enthusiasmus der Besucher für die Konzerte vielleicht nicht so gross. Und trotzdem, oder gerade deswegen, kann man als Tourbegleiter seine Vorzüge sicher besser ausspielen, als wenn man ein Vorband ist, die nur die Zeit zwischen Türöffnung und dem heiss erwarteten Hauptact überbrücken soll.
Dieser Tourbegleiter von Múm war in Frühjahr 2008 der ebenfalls isländische Musiker Björn Kristiansson alias Borko. So war er anfangs März zum Beispiel auch im fri-son in Fribourg zu Gast. Ein paar Tage darauf veröffentlichte er sein Debütalbum “Celebrating Life“, welches uns hier vorliegt.
Mit diesem muss er sich zwar auf keinen Fall hinter seinen Landsleuten verstecken, weder hinter Múm noch den anderen, die ja immer gerne mit dem Label “Isländer” verkauft werden. Neue und frische Elemente mischen sich mit Attributen, die man seit Björk und Sigur Rós mit Island verbindet, sprich Schnee-Stampf-Beats, Glockenspiel und ähnliches in dieser besonderen Mischung. Hie und da enthält das Album aber wieder Teile, die weniger verzückend als eher ein wenig nervig sind.
Verzückung gibt es auf dem Album aber durchaus; schon im ersten Track “Continental Love” schlägt einem, wenn man mal das einstimmende “Ah-ah-ah”-Stimmstaccato hinter sich gelassen hat, eine Wand aus überwältigenden Klängen entgegen. Aber gerade diese Stimmloops wie vorher beschrieben sind es, die einem zuweilen ein wenig nerven, da es teilweise ein bisschen zu gut damit gemeint war. In beiden Tracks mit dem lautmalerischen Titeln, “Shoo Ba Ba” und “Doo Doo Doo“, finden sich eben jene Laute von Björn gesprochen in der Musik, teilweise so lange wiederholt dass man genervt weiterskippen muss.
Auch bei anderen Titeln, z.B. “Dingdong Kingdom” kommt die Frage auf, ob es nicht vielleicht besser gewesen wäre, auf den Gesang (wegen Björns nicht gerade berauschenden Gesangskünsten) und auf den Text (der wirklich – sorry – dämlich ist) zu verzichten, denn die Musik an sich ist sehr schön und mitreissend.
Allgemein bemerkenswert, und vor allem bei den zahlreichen Instrumentalstücken zur Geltung kommend, ist die Vielfalt an gespielten Instrumenten. “Summer Logic” enthält Drums, Orgel, Samples, Gitarre, Trompete, Mundharmonika und wohl noch einiges, was man erst nach einigem Hören erkennt. So sind es eben diese Tracks, die das Album zu einem Tipp machen, wie z.B. das schon beinahe Post-Rockige (da mit verzerrter Gitarre) “Sushi Stakeout“.
Eine Erfüllung wäre noch, wenn sich z.B. ein Four Tet oder auch Elektroniker à la Trentemøller dem Album zu Remixzwecken annehmen würde, denn dann könnte man den so schon äusserst abwechslungsreichen und vielfältigen Sound noch um eine Dimension erweitern.
(grid)
Reinhören: www.myspace.com/borkoborko
Tracks:
- Continental Love
- Spoonstabber
- Shoo Ba Ba
- Sushi Stakeout
- Dingdong Kingdom
- Summer Logic
- Doo Doo Doo
- Hondo & Borko
Rating: 





















