Und plötzlich waren sie wieder da – zwar nicht so allumfassend wie Mitte der Neunziger, wer aber ab 2005 eine grössere Drum’n'Bass-Party besuchte, konnte fest damit rechnen, dass mindestens einmal pro Abend „Voodoo People” aus den Boxen dröhnte. Obwohl Liam Howletts mit Reason und vielen Gaststars zusammengezimmertes Album „Always Outnumbered, Never Outgunned”, nachdem es vielerorts verrissen wurde, relativ schnell wieder in Vergessenheit geriet, waren die alten Tracks dank Remixes von Pendulum und Sub Focus zumindest im Bereich des Mainstream-Drum’n'Bass wieder in aller Munde bzw. in aller Füsse.
Dieses Erfolges schien sich The Prodigy bei der Erstellung ihres fünften Albums „Invaders Must Die” sehr bewusst gewesen zu sein. So wurde nicht nur für die beiden Titel „Omen” und „Invaders Must Die” Remixes von den Drum’n'Bass-Grössen Noisia und Chase And Status erstellt, auch die nicht überarbeiteten Tracks orientieren sich nicht selten an einer Mischung aus eigenen Erfolgen und aktuellem Drum’n'Bass à la Pendulum. Wer den von Dylan abschätzig mit dem Ausdruck „Clownstep” bezeichnete, eher simple und von fetten Bässen und eingängigen Melodien dominierte Teil des Drum’n'Bass absolut nicht ausstehen kann, sollte wohl ebenso die Finger von dem aktuellen Prodigy-Abum lassen, wie diejenigen die sich schon lange von altmodischem Rave abgesagt haben. Folglich kann aber auch festgestellt werden, dass die drei Briten, die hier ihr erstes gemeinsames Album seit „The Fat Of The Land” abliefern, mit dem neuesten Wurf nicht auf den wohl bereits wieder im abklingen begriffene New-Rave-Hype aufgesprungen sind. The Prodigy 2009 tönt nicht wie Justice, sondern wie The Prodigy 1994.
„Invaders Must Die” zu beurteilen, ohne die entsprechenden Titel live oder zumindest in einem Club gehört zu haben, wird dem Album sicher nicht gerecht. So stellte auch Howlett in einem Interview mit laut.de fest: „Immer wenn wir Songs schreiben, denken wir daran, wie viel Damage die Stücke live anrichten können.” Da ich bisher nicht die Möglichkeit hatte, das neue Material live zu begutachten, muss diese Rezension als unfair oder als eine mögliche Antwort auf die Frage „Wie funktioniert die neueste Prodigy-Platte im Wohnzimmer?” betrachtet werden.
Die Scheibe startet mit den beiden Singles. „Invaders Must Die”, welches bereits vorgängig gratis heruntergeladen werden konnte, verbindet die vorstellenden Worte „We Are The Prodigy” mit einer schlichten Synthiemelodie, aggressiven Snares und wuchtigen Bässen. Ob man dazu unbedingt eine neue Prodigy-CD braucht, bleibt dahingestellt, unterscheidet sich der Track doch nur unmerklich von einem durchschnittlichen DnB-Titel Marke Pendulum. „Omen” könnte mit seinen Sirenen und den zum Mitbrüllen verführenden Vocals, welche in Richtung Stadionrock weisen, ab „Music For The Jilted Generation” stammen und bietet so auch kaum Neues.
Steigern kann sich das Album erst wirklich mit dem fünften Track, „Take Me To The Hospital”, wo vieles nach „Experience” klingt: Hochgepitchte Chip’n Dale-Vocals wie aus „Out Of Space” vereinen sich mit massiven Breakbeats, bienenartigen Synthieangriffen, Sirenen und aggressivem Gebrüll. Ein sehr mitreissender Titel! Mit „Warrior’s Dance” folgt der wohl beste neue Track. Dieser erinnert allerdings nicht nur wegen den überdrehten heliumschwangeren Vocals an „No Good”. „Run With The Wolves” mit Dave Grohl an den Drums ist eine punk-triefende Gitarren- und Sirenen-Orgie, die ein enormes Live-Potenzial haben dürfte, in den eigenen vier Wänden aber nur bedingt funktioniert. Das darauf folgende „Omen Reprise” zeigt auf, was bei „Omen” möglich gewesen wäre, wenn man dieses nicht unnötig in die Länge gezogen hätte, und stellt die eindeutig bessere Version dar.
Das Album endet mit „Piranha”, welches als wohl einziger Track an „Always Outnumbered, Never Outgunned” anschliesst, und dem zurückhaltenden „Stand Up”, das wie das Prodigy-Cover eines ruhigen Go!-Team-Titels klingt und im Gegensatz zu allen anderen Titel nicht allein der Schweissproduktion dient.
Fazit vor zwei Wochen: Trotz ein paar durchaus gelungenen Titeln bietet das Album nichts wirklich neues, zu vieles klingt wie vor fünfzehn Jahren. Den Wohnzimmertest besteht „Invaders Must Die“ leider nicht.
Fazit vor einer Woche: Zwar klingt vieles ein bisschen altbacken oder wie bei aktuellen DnB-Tunes abgeguckt, wen stört aber solcherlei, wenn die Tracks dank primitiver Wucht und Hammerschlag-Bässen frühmorgens den Schlaf effizient zu vertreiben vermögen oder an kleineren Partys sofort Menschen unterschiedlichen Musikgeschmacks begeistern?
Fazit heute: Bereits nach zwei Wochen macht sich die mangelnde Innovationsfreude der Briten insofern bemerkbar, als einige Tracks zu langweilen beginnen. Trotzdem sollten Fans der ersten beiden Alben zumindest einmal hineinhören und auch der von der Band geforderte Live-Damage dürfte damit zweifellos erzielt werden.
(Der Autor behält es sich vor, auch in Zukunft wieder seine Meinung zu ändern.)
(as)
Tracks:
- Invaders Must Die
- Omen
- Thunder
- Colours
- Take Me To The Hospital
- Warriors Dance
- Run With The Wolves
- Omen (reprise)
- World’s On Fire
- Piranha
- Stand Up
Rating: 






















