Beatles meets Kindergarten meets Beck meets Heliumballon meets Sandmännchen; so könnte man das Album vom Berner Balduin umschreiben. Mit einer unglaublichen Fülle an Fragmenten werden wir auf seinem mittlerweilen vierten Album zugedeckt. Der Elektro Guerilla-Barde aus der Hauptstadt (auch wenn auf der Homepage durchaus ein Alpöhi-Image suggeriert werden sollte) lässt es klimpern, quietschen, fiepen, gurgeln und rasseln. Er erinnert mal an Zirkusmusik, mal an die Beatles, mal an ein Hofkonzert im Mittelalter, manchmal an Leonard Cohen, viel an Lagerfeuerromantik mit Gitarre (manchmal besoffen, manchmal nicht) und an bekiffte oder komplett weggetretene Schlümpfe.
Das ganze schafft auf jeden Fall eine ganz eigene Atmosphäre, in der man häufig einfach schmunzeln muss, weil das ganze so abgefahren daherkommt. Es wird dabei aber dem Hörer einiges abverlangt. Hier zeigt sich aber dann auch sehr schnell das Problem des ganzen Albums. Ein Sammelsurium an, wenn auch äusserst kreativen, Fragmenten können einem durchaus erheitern, aber nach einer Weile auch ziemlich langwierig werden.
Hier wäre weniger mehr gewesen. Es ist in vielen Fällen einfach Schade, dass nicht mehr Soundideen weiter zu einem ganzen (+-radiolängentauglichezweikommafünfminuten) Songs ausgearbeitet wurden, da die einzelnen Elemente durchaus gut produziert sind. Es durchbrechen von den gesamten 24 “Songs” nur gerade 6 die 2 Minuten-Grenze. Der Rest hält sich äusserst kurz.
Ähnlich verhält es sich auch mit den Sounds, die von Balduin verwendet werden. Ein Kinder-Keyboard, eine Rassel, Kindertröte, ein bisschen Orgel, Flöte, eine Sitar, spacige Synthesizer, manchmal eine sich bis an die Grenze verstimmende Gitarre; alles Dinge, die anfangs äusserst erfrischend daherkommen, einem mit der Zeit aber auf dem Magen liegen können. Und obwohl selbst ein Freund von Effektgeräten, ist es bei der Stimme manchmal einfach zuviel des Guten.
Balduin geht auf seiner Platte eigene Wege, denen sicher nicht jeder zu folgen vermag. Mit dem Jingle-Ansatz bei vielen Songs werden sicher auch viele Leute ihre liebe Mühe haben. Eines kann man jedoch Balduin sicher nicht absprechen; eine gehörige Portion Individualität.
Abschliessend kann man sagen, dass das Album durchaus Spass machen kann, wenn man sich zwischendurch einmal abgefahrenen Sound (aus Alice’s Wunderland) zu Gemüte führen will. Konstant wird die CD aber nicht in meinem CD-Player zu liegen kommen.
(twintip)
Reinhören bei Everest Records: http://www.everestrecords.ch/rainbowtapes/index
Tracks:
- Little Dream
- Lilly Sees Dandelion
- Your First…
- Spawn, Weeds & Filth
- The Fool
- Afternoon Walk
- The Nutcracker’s Jugband
- Here We Go Slithering – Years Ago…
- Hazy Shade
- Jump In The Past
- Wind In The Willows
- Fairy Tales
- Carol
- Merry Christmas
- Sadness (Trough The Willows)
- Cannabissence
- Here In A Land
- Dandelion
- Renaissance Dreams
- I See Rainbows
- There Are 100 Possibilities
- Bowl Track
- You’re Unique
- I Lost Myself
Rating: 






















